Willkommen im südlichsten Zipfel von Europa und gleichzeitig in einem Stück Britannien. Gibraltar, das kleine britische Überseegebiet auf einer schmalen Landzunge an der Südspitze der Iberischen Halbinsel, schien für mich lange genauso unerreichbar wie Andorra oder die Vulkaninsel Stromboli in Italien: klein, abgelegen und irgendwie kompliziert zu erreichen.
Dabei ist Gibraltar alles andere als unzugänglich. Während meines Aufenthalts in Málaga im Süden Spaniens war ich den Sehenswürdigkeiten von Gibraltar so nah wie nie zuvor. Die Reisezeit passte perfekt, und meine Reisebegleitung ließ sich ohne großes Zögern auf die knapp zwei Stunden Fahrt pro Strecke ein.
Wenn nicht jetzt, wann dann? Also ging es los nach Gibraltar – zu einem Ort, der mit dem berühmten Felsen, Berberaffen, dem Upper Rock Nature Reserve und einer ganz eigenen Mischung aus britischem und mediterranem Lebensgefühl überrascht.
In diesem Artikel zeige ich euch die wichtigsten Gibraltar Sehenswürdigkeiten und gebe euch praktische Tipps für euren Besuch.
Bevor es zu den bekanntesten Gibraltar Sehenswürdigkeiten geht, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Einreise. Gibraltar gehört zwar politisch zu Großbritannien, liegt aber außerhalb des Schengenraums. Je nach Anreiseweg gelten daher unterschiedliche Regelungen, die du vor deinem Besuch kennen solltest.
Einreise nach Gibraltar – alle Möglichkeiten im Überblick
Die Einreise nach Gibraltar ist auf verschiedenen Wegen möglich: über den Landweg von Spanien, per Flugzeug oder mit dem Kreuzfahrtschiff. Da Gibraltar nicht zum Schengenraum gehört, unterscheiden sich Einreise und Kontrolle je nach Anreiseart. Hier findest du die wichtigsten Infos aus eigener Erfahrung.
Einreise nach Gibraltar über den Landweg
Die Einreise über den Landweg ist die häufigste und einfachste Möglichkeit, um Gibraltar zu besuchen, vor allem, wenn du ohnehin im Süden Spaniens unterwegs bist. Unsere Tour startete früh morgens um sieben Uhr vor dem Rathaus in Málaga. Ich war bereits zum zweiten Mal mit einer geführten Tour unterwegs, die ich über GetYourGuide gebucht hatte. Der Bus war pünktlich, die Guides bestens gelaunt, und wenige Minuten später ließen wir die Stadt hinter uns.
Während wir Richtung Westen unserem Ziel entgegengondeln, überlege ich, ob ich noch was im Voraus buchen kann. Schließlich haben wir nur ein paar Stunden Zeit, um die 6,5 km² große Halbinsel zu erkunden.
Gerade als die Fahrt anfängt, langweilig zu werden, zeichnet sich die Spitze des 426 m hohen Kalksteinmonolithen, vor meinem Busfenster ab. Der Bus parkt nahe der Grenze in der spanischen Stadt La Línea de la Concepción. Die Stadt selbst ist eher unscheinbar, wirkt aber im Vergleich zur schmalen Grenze fast schon weitläufig. Die Grenze ist gerade einmal rund 1,2 Kilometer lang und bildet den einzigen Landzugang nach Gibraltar.
Passkontolle in Gibraltar
Bevor wir die Halbinsel erkunden können, müssen wir einreisen. An der Passkontrolle stellen wir uns in eine Schlange aus Reisenden verschiedenster Nationalitäten. Da das britische Überseegebiet außerhalb des Schengenraums liegt, gelten je nach Herkunft unterschiedliche Einreisebestimmungen. Für mich und meine Reisebegleitung reichte ein gültiger Personalausweis völlig aus.
Für uns war der Ablauf unkompliziert, auch wenn es bei einigen anderen etwas länger dauerte. Um auf Nummer sicher zu gehen, lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Einreisevoraussetzungen vor der Reise. Die offiziellen Informationen stellt Gibraltar auf seiner Website übersichtlich zur Verfügung.
Einreise nach Gibraltar per Flugzeug
Die Einreise per Flugzeug ist ebenfalls möglich, allerdings gibt es nur wenige Direktverbindungen. Der Flughafen liegt außergewöhnlich zentral und wird ausschließlich von Flugzeugen aus Großbritannien angeflogen. Linienflüge werden derzeit unter anderem von easyJet und British Airways angeboten.
Eine Besonderheit zeigt sich direkt nach der Ankunft: Der Weg ins Stadtzentrum führt über das Rollfeld des Flughafens. Sobald kein Flugverkehr herrscht, queren Fußgänger und Fahrzeuge die Start- und Landebahn, um Richtung Casemates Square oder zur Grenze zu gelangen. Zu Fuß dauert der Weg etwa 20 Minuten und sorgt schon zu Beginn für ein erstes, ziemlich ungewöhnliches Highlight.

Einreise nach Gibraltar per Schiff
Eine weitere Möglichkeit, die Halbinsel Gibraltar zu erreichen, ist per Kreuzfahrt. Das Angebot an Reedereien ist hier deutlich größer als bei Flügen, darunter auch bekannte Anbieter aus Deutschland wie TUI Cruises.
Das Kreuzfahrtterminal befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Flughafen. Von dort aus erreichst du den Casemates Square in etwa 20 Minuten zu Fuß. Alternativ stehen Taxis und Shuttlebusse zur Verfügung – besonders praktisch, wenn du wenig Zeit hast oder nicht gut zu Fuß unterwegs bist.
Sehenswürdigkeiten von Gibraltar
So, genug Geplänkel rund um Anfahrt und Einreise. Es ist bereits 11:50 Uhr und um 16:30 Uhr steht die Rückfahrt nach Málaga an. Viel Zeit bleibt also nicht. Am Casemates Square versorgt uns unser Guide noch mit ein paar letzten Informationen, bevor sich unsere kleine Gruppe auflöst und jeder die Sehenswürdigkeiten von Gibraltar auf eigene Faust erkundet.
Die folgenden Highlights lassen sich auch bei einem kurzen Aufenthalt gut kombinieren und zeigen, warum die kleine Halbinsel trotz ihrer überschaubaren Größe so besonders ist.

Cable Car – schnell hinauf zum Top of the Rock
Der Upper Rock ist weiterhin zu Fuß, per Taxi oder im Rahmen geführter Touren erreichbar. Die Wiedereröffnung ist für 2027 geplant.
Mein erstes Ziel ist die Cable Car, die schnellste Verbindung hinauf zum Top of the Rock. Alternativ kann man den Aufstieg auch zu Fuß oder mit dem Taxi bewältigen. Für mich kam beides nicht infrage, denn die Fahrt mit der Seilbahn zählt für mich ganz klar zu den Highlights unter den Gibraltar Sehenswürdigkeiten.
Nach etwa 20 Minuten Fußweg erreichen wir die Talstation am südlichen Ende der Main Street, direkt neben den Alameda Gärten. Die Warteschlange am Ticketschalter ist lang, doch wir können sie zum Glück umgehen. Während der Busfahrt hatte ich spontan ein Kombiticket für die Seilbahn inklusive Zugang zum Upper Rock Nature Reserve für meine Reisebegleitung und mich gebucht. Mit £44.00 pro Person ist das kein Schnäppchen, lohnt sich aber aus meiner Sicht absolut.

Mein Tipp: Macht nicht den Fehler und spart am falschen Ende. Das reine Seilbahnticket für £19.00 bringt dich zwar ebenfalls zum Top of the Rock, schließt aber den Zugang zu den wichtigsten Bereichen des Naturschutzgebiets aus.
Die Fahrt selbst dauert rund sechs Minuten und bietet großartige Ausblicke auf die Bucht von Algeciras und die unzähligen Schiffe vor der Küste. Oben angekommen, öffnet sich der Blick über die gesamte Halbinsel. Ein perfekter Start für die weiteren Highlights.
Upper Rock Nature Reserve – Natur, Geschichte & Ausblicke
Das Upper Rock Nature Reserve wurde 1993 offiziell unter Schutz gestellt und 2013 noch einmal erweitert. Überall im Gelände stößt man auf Relikte aus der militärischen Vergangenheit. Alte Verteidigungskanonen, Tunnelanlagen und ehemalige Batterien erinnern daran, welche strategische Bedeutung der Felsen über Jahrhunderte hatte.
Gleichzeitig bietet das Naturschutzgebiet genau das, was viele Besucher überrascht: beeindruckende Aussichtspunkte, grüne Abschnitte, gut ausgebaute Wanderwege und mehrere der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Halbinsel. Der Zugang ist nur mit einem gültigen Ticket möglich. Falls du kein Kombiticket für Seilbahn und Naturschutzgebiet gebucht hast, kannst du den Eintritt vor Ort für £25.00 pro Person nachkaufen.
Berberaffen – das bekannteste Highlight im Upper Rock
Es dauert keine fünf Minuten, bis wir ihnen begegnen: den berühmten Berberaffen. Die Primaten werden bis zu 60 Zentimeter groß und bringen ein stattliches Kampfgewicht von bis zu 14 Kilogramm auf die Waage. Putzig wirken sie nur auf den ersten Blick, denn die Tiere sind neugierig, selbstbewusst und ausgesprochen geschickt, wenn es um das Hab und Gut der Besucher geht.

Wenn sich eine Gelegenheit bietet, sagen sie selten Nein zu einem kleinen, selbstorganisierten „Gastgeschenk“ in Form einer Wasserflasche, etwas Proviant oder im Zweifel sogar dem ganzen Rucksack inklusive Smartphone und Portemonnaie.
Aber keine Sorge. Mit ein paar einfachen Regeln seid ihr auf der sicheren Seite. Lasst eure Sachen nicht unbeaufsichtigt liegen, haltet Abstand und verzichtet auf direkten Augenkontakt. Breites Grinsen, Anlächeln oder freudiges Kreischen mögen bei Menschen nett gemeint sein – in der Welt der Affen wird das eher als Provokation verstanden. Anfassen ist selbstverständlich tabu.
Im Naturschutzgebiet leben mehr als genug Tiere. Ihr werdet ihnen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit begegnen, ganz ohne sie suchen zu müssen.
Rundwanderwege im Upper Rock Nature Reserve
Im Upper Rock Nature Reserve gibt es insgesamt vier ausgeschilderte Rundwanderwege. Ihr müsst sie nicht zwingend komplett ablaufen, bekommt aber eine gute Orientierung, wenn ihr euch an ihnen entlangbewegt. Je nach Interesse und Kondition ist für jeden etwas dabei.
Wer sich besonders für die Geschichte und die militärische Vergangenheit interessiert, wird auf dem mittelschweren, orange-rot markierten History Buff Trail fündig. Dieser führt von der O’Hara Battery bis zum Moorish Castle und verbindet mehrere historische Anlagen miteinander.
Für Naturliebhaber bietet sich der leichte, grün markierte Nature Lover Trail an. Er verläuft durch Bereiche mit besonderer Flora und Fauna und führt zu einigen der schönsten Aussichtspunkte im Naturschutzgebiet.
Ergänzt werden die Routen durch den anspruchsvolleren, blau markierten Thrill Seeker Trail sowie den leichten Monkey Trail, auf dem ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit den Berberaffen begegnet. Da sich die Wege immer wieder überschneiden, lassen sich viele Sehenswürdigkeiten auch ganz entspannt entdecken, selbst dann, wenn ihr einfach ohne feste Route durch das Gelände lauft.
Skywalk

Der Skywalk ist eine eckige Plattform aus Glas, die sich optisch deutlich von der übrigen Umgebung abhebt. Geschmackssache, wie ich finde – an der Aussicht gibt es allerdings nichts auszusetzen. Genau aus diesem Grund befindet sich die Plattform an dieser Stelle.

Der Standort wurde bereits über Jahrhunderte hinweg militärisch als Aussichtspunkt genutzt. Heute eröffnet sich von hier ein weiter Blick über die Halbinsel, das Meer und bei guter Sicht bis zur Küste Afrikas. Auch wenn der Skywalk nicht zu den klassischen historischen Bauwerken zählt, gehört er mittlerweile zu den festen Stopps im Upper Rock Nature Reserve.
O’Hara’s und Lord Airey’s Battery – Geschichte am höchsten Punkt

Am höchsten Punkt des Felsens von Gibraltar befindet sich die O’Hara’s Battery, benannt nach General Charles O’Hara. Ursprünglich war hier ein Aussichtsturms geplant, der sich jedoch als Fehlkonstruktion erwies und später wieder entfernt wurde. Stattdessen steht hier seit 1901 eine 9,2-Zoll-Kanone.
Nur wenige Schritte entfernt liegt die Lord Airey’s Battery, die Teil des weit verzweigten Verteidigungssystems ist.


Besonders spannend sind die unterirdischen Gänge und Räume, die sich unter den Batterien verbergen. Wenn ihr etwas Zeit mitbringt, solltet ihr euch diesen Bereich nicht entgehen lassen. Er gehört zu den eindrucksvolleren historischen Stopps im Upper Rock Nature Reserve.
St. Michael’s Cave – Tropfsteinhöhle mit Lichtshow
Zwei Tage zuvor war ich noch im andalusischen Küstenort Nerja und hatte dort eine der bekanntesten Tropfsteinhöhlen Spaniens besucht. Der erste Eindruck in der St. Michael’s Cave ließ mich sofort an eine Redewendung aus Thailand denken: Same same, but different. Beide Höhlen sind riesig und beeindruckend, mit zahlreichen Stalaktiten und Stalagmiten. Der große Unterschied liegt hier jedoch in der Inszenierung.


Die Lichtshow in der St. Michael’s Cave ist ein echtes Farbspektakel. In regelmäßigen Abständen werden zusätzlich Animationen zur Entstehungsgeschichte der Höhle auf die zerklüfteten Wände projiziert. Begleitet von einer melodischen Untermalung entsteht so ein beinahe theaterähnliches Erlebnis, das man am besten entspannt von einer der vielen Sitzreihen aus genießt.
Windsor Suspension Bridge
Richtig schöne Ausblicke auf die Gibraltar Stadt und die Küste bietet die rund 70 Meter lange Windsor Suspension Bridge. Die Hängebrücke gehört zu den neueren Attraktionen im Upper Rock Nature Reserve und verbindet zwei Bereiche des Geländes miteinander.
Wer unter Höhenangst leidet, kann die Brücke allerdings problemlos umgehen und den alternativen Weg nutzen.
Stadtzentrum von Gibraltar – Main Street & Ocean Village
Langsam wird es Zeit für den Rückweg. Wir verlassen den Upper Rock zu Fuß und wollen die letzte Stunde vor der Abfahrt noch für einen Spaziergang durch das Stadtzentrum nutzen. Vorbei an der Genoese Battery biegen wir in die Devil’s Gap Road ein. Kaum haben wir die Union Jack Steps hinter uns gelassen, stehen wir auch schon mitten im Stadtzentrum von Gibraltar.
Klein, aber fein trifft es ziemlich gut. Das Zentrum wirkt sehr britisch, bekommt durch das Klima und die Lage am Meer aber einen mediterranen Touch. Wir schlendern noch einmal entspannt über die Main Street und schauen uns nun in Ruhe an, was wir zuvor nur im Schnelldurchgang gesehen haben. Dazu gehört unter anderem die römisch-katholische Kathedrale von Gibraltar, insgesamt dominiert hier aber ganz klar das Angebot an Shops.


Als Tipp gilt die Parallelstraße Irish Town, die als Restaurantviertel bekannt ist. Bei unserem Besuch sind wir allerdings noch zu früh dran, viele Lokale haben noch geschlossen und entsprechend ruhig ist es.
Die letzten Minuten verbringen wir am Yachthafen und im Bereich von Ocean Village. Schön angelegt, modern und dicht bebaut. Das überrascht wenig, denn der Platz auf der Halbinsel ist begrenzt.
Insgesamt hat mir Gibraltar sehr gut gefallen. Das Stadtzentrum selbst punktet weniger mit klassischen Sehenswürdigkeiten, dafür umso mehr mit duty-free Shopping. Das eigentliche Highlight bleibt für mich der Upper Rock. Nationalmuseum, Moorish Castle, Great Siege Tunnels sowie die Strände Sandy Bay und Catalan Bay mussten diesmal aus Zeitgründen ausfallen. Macht nichts. Dann habe ich noch was für meinen nächsten Besuch in Gibraltar.
Am Casemates Square sammeln wir uns wieder, warten auf die letzten Teilnehmer und machen uns anschließend auf den Rückweg: durch das Landport, über das Rollfeld, durch die Passkontrolle und zurück nach Málaga.
Währung in Gibraltar
Da Gibraltar ein britisches Überseegebiet ist, bezahlt man hier mit Pfund Sterling. In vielen Geschäften und Restaurants werden allerdings auch Euro akzeptiert, da zahlreiche Besucher aus dem europäischen Ausland kommen. Der Wechselkurs fällt dabei meist etwas schlechter aus, und das Rückgeld erhältst du in der Regel in Pfund. Möglich ist das Bezahlen mit Euro trotzdem. Praktischer ist jedoch eine Karte oder Pfund in bar.
Wart ihr schon einmal in Gibraltar oder steht der Felsen noch auf eurer Reiseliste?
Was waren eure Highlights oder was möchtet ihr unbedingt sehen?
Erzählt mir davon gerne in den Kommentaren!



