Manche Städte begeistern sofort. Andere brauchen etwas Zeit. Toulouse gehört für mich zur zweiten Kategorie. Auf den ersten Blick wirkt die Stadt eher unaufgeregt. Doch je länger man durch die Straßen der Altstadt läuft, desto mehr zeigt sich, wie viel Charakter in ihr steckt.
Toulouse liegt im Süden Frankreichs und ist bekannt für ihre rosafarbenen Backsteinhäuser, die ihr den Beinamen „Ville rose“ eingebracht haben. Zwischen Flussufer, großen Plätzen und historischen Gebäuden gibt es viele sehenswerte Orte, die sich gut zu Fuß entdecken lassen.
In diesem Artikel zeige ich dir die wichtigsten Toulouse Sehenswürdigkeiten und teile meine persönlichen Tipps für einen Besuch in der Stadt. Kompakt und ohne großes Drumherum.
Alos lasst uns starten.
Toulouse Altstadt und Innenstadt – Überblick
Die Altstadt von Toulouse ist angenehm kompakt und lässt sich gut zu Fuß erkunden. Viele der bekannten Sehenswürdigkeiten liegen rund um das Zentrum, die großen Plätze und entlang der Garonne.
Eine klar abgegrenzte, geschlossene Altstadt wie in manch kleineren Städten gibt es allerdings nicht. Die historischen Bereiche verteilen sich über mehrere Viertel. Vieles entdeckt man eher unterwegs als auf einen Schlag.
Große Boulevards wechseln sich mit schmaleren Gassen und Plätzen ab, dazwischen immer wieder die typischen Backsteinfassaden, die der Stadt ihren warmen Farbton geben. Gerade dieses leicht Verstreute macht den Reiz beim Erkunden aus.
Viele Wege führen früher oder später zum Fluss. Die Ufer der Garonne sind ein guter Orientierungspunkt, genauso wie die großen Plätze und Brücken. Wer Toulouse besucht, braucht keinen strengen Besichtigungsplan. Ein grober Rahmen und genug Zeit zum Schlendern funktionieren hier meist am besten.
Toulouse- Sehenswürdigkeiten der rosafarbenen Stadt
Toulouse erreiche ich am späten Nachmittag. Um keine Zeit zu verlieren, checke ich schnell in meiner Unterkunft ein und mache mich direkt zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt.
Toulouse tägt den liebevollen Beinamen „Ville rose“. Der rosafarbene Ton kommt von den Ziegeln, die zum Bau der Häuser verwendet wurden. Was mir sofort auffällt: Ja, die Stadt hat eine schöne, warme Ausstrahlung, ist aber meilenweit von rosa entfernt. Jedenfalls nach meiner Definition von rosa.


Viele Straßenzüge wirken zunächst eher gewöhnlich und recht dicht bebaut. Der typische französische Postkarten-Charme zeigt sich nicht überall sofort, bzw. anders als zum Beispiel in Städten wie Annecy oder Auxerre mit ihren vielen Fachwerkhäusern.
Die ersten Sehenswürdigkeiten, die ich entdecke, gefallen mir dagegen richtig gut. Das Capitole zum Beispiel, in dem Rathaus und Théâtre du Capitole untergebracht sind, wirkt beeindruckend und sehr präsent am Platz.

Mein erster Eindruck von Toulouse ist daher etwas gemischt. Vielleicht waren meine Erwartungen an die „rosafarbene Stadt“ einfach zu hoch. Vielleicht ist der Kontrast, direkt nach meinen Wandertouren in Andorra, auch einfach zu groß. Dort war ich noch zwischen Bergen und ruhigen Tälern unterwegs, jetzt stehe ich plötzlich mitten in einer Großstadt. Schwer zu sagen.
In der Nähe des Place de la Trinité hole ich mir einen Snack und schlendere weiter Richtung Garonne-Ufer.
An der Garonne in Toulouse
Die Garonne ist mit 579 Kilometern einer der größten Flüsse Frankreichs und fließt mitten durch Toulouse. Am Ufer laufe ich unter den mächtigen Brückenpfeilern der Pont Neuf entlang, der ältesten noch erhaltenen Brücke der Stadt, und suche mir einen Platz mit Blick aufs Wasser.

Während ich gedankenverloren in meiner Nudelbox stochere und mich frage, ob ich morgen nicht einfach weiterfahren soll, füllt sich das Garonne-Ufer nach und nach mit Menschen. Viele verbringen hier ihren Feierabend, schauen sich den Sonnenuntergang an oder sitzen in den Studentenkneipen, Restaurants und Brasserien am Fluss. Da ich für heute auch nichts mehr vorhabe, bleibe ich einfach sitzen und mache es genauso.
Den ganzen Abend tatenlos herumzusitzen ist dann aber doch nicht meins. Etwa eine Stunde später raffe ich mich auf und laufe über die Pont Neuf in den Stadtteil St-Cyprien.
Saint-Cyprien – Szeneviertel auf der anderen Flussseite
Im lebhaften Stadtteil Saint-Cyprien, einem der ältesten Bezirke von Toulouse, gefällt es mir deutlich besser. Im Mittelalter lag Saint-Cyprien noch vor den Toren der Stadt. Zwischen den beiden Parkanlagen Jardin Raymond VI und Prairie des Filtres reihen sich heute Restaurants, kleine Galerien, und Szeneläden aneinander.
Bis zum Sonnenuntergang streife ich durch das Viertel und mache mich danach langsam auf den Rückweg zum Hotel.

Pont Neuf – Die bekannteste Brücke von Toulouse
Die Pont Neuf ist wohl die bekannteste Sehenswürdigkeit von Toulouse. Die mächtige Brücke verbindet seit 1632 die beiden Ufer der Garonne. Als erste gemauerte Brücke der Stadt hat sie bis heute jedes Hochwasser des Flusses überstanden.
Besonders schön wirkt die Pont Neuf am Abend. Dann sind Brücke und Flussufer beleuchtet, und rundherum trifft sich halb Toulouse zum Spazierengehen, Sitzen und Schauen. Für viele so etwas wie der inoffizielle Treffpunkt der Stadt.

Canal du Midi – Spaziergang am historischen Wasserweg
Den nächsten Tag starte ich gegen Mittag mit einem Spaziergang entlang des Canal du Midi. Der Wasserweg verbindet Toulouse mit der französischen Mittelmeerküste. Er verläuft östlich am Stadtzentrum vorbei und geht nordwestlich der Stadt in den Canal latéral à la Garonne über.
Der rund 240 Kilometer lange Kanal wurde 1681 fertiggestellt und von Anfang an von Platanen gesäumt. Sie dienten früher vor allem als Schattenspender für die Pferde, die die Schiffe und Lastkähne vom Ufer aus zogen, bevor Dampfmaschinen und Motoren zum Einsatz kamen.

Heute wird der Canal du Midi vor allem touristisch genutzt. Statt Warentransporten sieht man hier Ausflugsboote, Spaziergänger und Jogger. Der Uferweg ist ruhig und angenehm zu laufen und eine schöne Ergänzung zu den klassischen Toulouse Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt.
Am Ende des Canal du Midi biege ich auf den Weg entlang des Canal du Brienne ab und gehe weiter bis zum Place Saint-Pierre.
Bazacle – Damm, Mühlen und Flusskraftwerk
Gut, die vielen Mühlen, die auf dem Bauwerk Bazacle standen sind nicht mehr da, aber das Bauwerk steht noch. Zwischen den Brücken Pont des Catalans und der schönen Pont Saint-Pierre verläuft der massive Damm einmal durch die Garonne. Über die Geschichte der Mühlen informieren eine Schautafel und das Kulturzentrum Espace EDF Le Bazacle, das bei meinem Besuch allerdings geschlossen war.

Mein Spaziergang führt weiter über die Pont des Catalans in den Stadtteil Saint-Cyprien. Von dort geht es am Flussufer wieder zurück Richtung Pont Saint-Pierre. Der Weg ist wirklich schön angelegt. Von einer kleinen Fußgängerbrücke aus hat man einen guten Blick auf die Wehre. Mit etwas Glück lassen sich hier sogar Welse entdecken.

Danach laufe ich im Zickzack durch die Straßen und lasse mich durch die Viertel Saint-Georges und Saint-Aubin treiben und stoße dabei noch auf einige Sehenswürdigkeiten, die ich zuvor ausgelassen habe.




Essenstipp in Toulouse – Bäckerei Le Fournil Saint-Honoré
Was braucht man morgens, um wach zu werden? Richtig: einen guten Kaffee (oder Tee) und etwas Leckeres zu essen. Also bin ich direkt nach dem Aufstehen zur nächstgelegenen Bäckerei gegangen. Die Le Fournil Saint-Honoré liegt nur etwa 300 Meter von meiner Unterkunft entfernt.
Ich sag’s, wie es ist: Diese Bäckerei ist ein kleiner Glücksfall. Von den Bäckern in Dijon war ich schon ziemlich angetan, aber hier toppt noch einmal jedes belegte Baguette das nächste und das zu einem wirklich fairen Preis-Leistungs-Verhältnis. Auch wenn ihr eher Süßes mögt, werdet ihr fündig. Die Auswahl an Gebäck ist groß.
Ich habe leider versäumt Bilder von den Köstlichkeiten zu machen. Schaut dafür gerne auf der Facebookseite vorbei. Die Bilder von den Sandwiches sprechen für sich. Ich fand es so klasse, dass ich am zweiten Morgen wieder dort war. Eine klare Empfehlung von mir.
Meine Unterkunft in Toulouse
Für meine zwei Nächte in Toulouse habe ich mich für das B&B Hotel Toulouse Centre Canal du Midi entschieden. Die Lage ist praktisch, Parkplätze sind vorhanden, und mit den großen Ketten liegt man bei Ausstattung und Sauberkeit meist nicht daneben.
Für meinen kurzen Aufenthalt war das Zimmer völlig in Ordnung. Bis ins Stadtzentrum von Toulouse, zum Place du Capitole, sind es zu Fuß rund 2,2 Kilometer.
Praktische Tipps für Toulouse
Toulouse eignet sich gut für einen entspannten Städtetrip ohne großes Planungsdrama. Vieles erschließt sich unterwegs. Ich hatte keinen festen Besichtigungsplan und bin damit gut gefahren.
Für einen ersten Eindruck reicht ein Tag. Wer auch Viertel, Flussufer und kleinere Abstecher einbauen möchte, plant besser zwei Tage ein. Dann entsteht kein Besichtigungsdruck.
Bus und Metro gibt es natürlich, gebraucht habe ich sie nicht. Ich habe alle Wege Fuß zurückgelegt. Wenn ihr mit dem Auto kommt, achtet bei der Unterkunft auf Parkmöglichkeiten. Das macht es deutlich entspannter.
Die angenehmsten Monate für einen Besuch in Toulouse sind Frühjahr und Herbst. Im Hochsommer wird es sehr warm, dafür spielt sich viel draußen ab. Besonders abends am Wasser und auf den Plätzen.
Toulouse – Top oder Flop? Meine Meinung
Als klassische französische Postkartenstadt würde ich Toulouse nicht bezeichnen. Dafür fehlt der geschlossene historische Charme, wie ich ihn bisher zum Beispiel in Avignon oder in Dijon erlebt habe.
Toulouse hat stattdessen einen eigenen, etwas raueren Charakter aber eignet sich gut als Zwischenstopp. Am besten funktioniert der Besuch ohne großes Pflichtprogramm. Geht einfach los, schauen euch um und lasst euch treiben. Genau dann zeigt die Stadt ihre besseren Seiten.
Toulouse liegt zudem nicht am Meer. Bis zur Mittelmeerküste sind es rund 150 Kilometer. Für einen Badeurlaub ist die Stadt also nicht gedacht, als Ziel für einen Städtetrip funktioniert sie dafür umso besser.
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Wart ihr schon einmal in Toulouse unterwegs? Mich würde interessieren, wie ihr die Stadt erlebt habt. Schreibt mir gern in die Kommentare.



