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Ausflugsziele Tallinn – Sehenswertes rund um Estlands Hauptstadt

Die Ostseeküste an der Halbinsel Pärispea in Estland

Bei meiner Städtereise nach Tallinn hatte ich kurzerhand zwei Tage eingeplant, um die Umgebung mit einem Mietwagen zu erkunden.

Was ich mir ansehen werde, habe ich erst vor Ort entschieden. Ein Ausflug in Estlands zweitgrößste Stadt Tartu wäre super, aber drei Stunden im Auto sitzen für eine Strecke? Nein, das lohnt sich nicht.

Beim Mietwagenvermieter bekam ich einige Infos zu Zielen in der Nähe, die sich von der Fahrzeit lohnen und bei denen genug Zeit bleibt, um hier und da einen Stop einzulegen.

Also los! Tallinns Umgebung: ich bin gespannt auf Dich.

Ausflugsziele westlich von Tallinn

Der Wasserfall von Keila (Keila juga)

Am ersten Tag ging es mit dem Mietwagen Richtung Westen. Anstatt die Autobahn 8 zu fahren habe ich mich für die Landstraße 390, die entlang der Ostseeküste verläuft, entschieden. Warum auch nicht. Bis zum ersten Ziel, dem Wasserfall von Keila, ist man so gerade mal 10 Automiuten länger unterwegs – wenn man nicht zwischendrin einfach mal einen Stop einlegt und die Umgebung genießt.

Falls ihr Zeitdruck habt, nehmt die Autobahn – dann seid ihr in 30 Minuten am Wasserfall.

Keila Wasserfall in Estland
Estland - Rundweg Keila Wasserfall

Keila heißt nicht nur der Wasserfall, sondern auch die Gemeinde und der Fluss, der Estlands drittgrößsten Wasserfall hinunterstürzt. Schön ist auch der Rundwanderweg, der euch einmal rund um den Wasserfall und an einem schön sanierten Gutshaus vorbeiführt.

Der Weg ist super zu laufen und ihr könnt ihn nicht verfehlen.

Halbinsel Pakri

Ich bin ein kleiner Leuchtturmliebhaber, daher fuhr ich zur Halbinsel Pakri, um den höchsten Leuchtturm Estlands zu bewundern. Er wurde 1889 erbaut und steht in der ehemals russisch besetzten Zone. Selbst für die Einwohner Estlands, war es jahrelang nahezu unmöglich diese Gegend ohne Sondergenehmigungen zu betreten.

Ostseeküste auf der estnischen Halbinsel Pakri

Nach dem Abzug der russischen Soldaten, Anfang der 1990er, scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Je näher ich dem Leuchtturm komme, desto öfter luken die Überreste verlassener, kleiner Holzhäuser aus dem Gebüsch. Man merkt: dieser Landesteil hat auf jeden Fall einiges an Geschichte hinter sich.

Estlands größster Leuchtturm - Paldiski

Was ich damals nicht wusste: man kann auf den Leuchtturm steigen. Der Eintritt kostet 5 Euro pro Erwachsenem. Von oben habt ihr einen Ausblick auf den Windpark, die Ostsee und die angrenzende Stadt Paldiski, in der die Soldaten mit ihren Familien gelebt haben.

Auch ohne Mietwagen kommt ihr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut durch Estland. Die Bahn pendelt z.B. zwischen Tallinn und Paldiski fast im Stundentakt.

Die Stadt Paldiski habe ich mir nicht angesehen, sondern bin gleich nach Haapsalu weitergefahren.

Haapsalu

Morgens ein Spaziergang an der Strandpromenade, Nachmittags ins Spa mit Heilschlammkur und Abends bis in die Nacht im Kursaal tanzen: der russische Adel Ende des 19. Jahrhunderts wusste, wie man seine Sommerferien gut verbringt. Haapsalu war der Kurort schlechthin.

Ausflugsziel Tallinn - Haapsalu
Blick auf Haapsalu

Der mintgrüne Kursaal samt Musikpavillon, in dem einst Sankt Petersburgs High Society die Nacht zum Tag machte, steht unverändert und hat nichts an Schönheit eingebüßt. Selbst, dass er zu Zeiten der Sowjetunion als Lager genutzt wurde, sieht man der Holzfassade nicht an.

Kursaal in Haapsalu - Estland

Heute ist Haapsalu ein sehr entspannter Ort an der Ostseeküste. Ruhig und beschaulich geht es hier zu: Außer zur Zeit des Vollmonds im August. Dann platzt die Stadt, rund um die Ruine der Bischofsburg, aus allen Nähten. In dieser Zeit findet hier alljährlich das Festival „Zeit der Weißen Dame“ statt. Freilichtaufführungen, ein Jahrmarktplatz, Tanz und Folklore runden das Spektakel ab.

Die Geschichte zum Festival ist schnell erzählt: ein verliebtes Pärchen ist aufgeflogen. Er landete im Burgverlies und sie ließ der Bischof in die Wand der Kapelle einmauern. Seitdem soll der Umriss einer Frauengestalt jeden Vollmond im August am Fenster des Turms zu sehen sein.

Ruine der Bischofsburg in Haapsalu

Haapsalu hat noch mehr Feste und Parties zu bieten, wie z.B. das Bluesfest „Augustibluus“ oder das „Haapsalu Horror & Fantasy Film Festival“ im Frühjahr.

Haapsalus Bahnhof ist für Nostalgiker und Architekturliebhaber einen Abstecher wert. Er ist seit 1995 nicht mehr in Betrieb, aber noch genauso schön, wie eh und je. Von hier aus könnt ihr, immer entlang des alten Bahndamms, mit dem Fahrrad ins 50 km entfernte Riisipere fahren.

Ausflugsziele östlich von Tallinn

Am nächsten Tag steht mehr Natur auf dem Programm: ich fahre in den 70 Kilometer entfernten Lahemaa Nationalpark. Der wurde 1971 als erster Nationalpark der Sowjetunion gegründet und bietet auf 72.500 Hektar mehr an Sehenswertem, als mir Zeit bleibt.

Praktisch, dass Estlands größter, natürlicher Wasserfall fast direkt auf dem Weg liegt.

Jägala Wasserfall (Jägala juga)

Der Jägala Wasserfall ist 8,1 m hoch und über 50 m breit und diente 1978/79 als Filmlocation für den Science-Ficton Film „Stalker“.

Ausflugsziel Tallinn - Jägala Wasserfall

Im Frühling und Herbst, wenn der Fluss viel Wasser führt, ist er am beeindruckensten anzusehen. Bei meinem Besuch im September, rauscht der Wasserfall dagegen recht gemächlich vor sich hin – ist aber trotzdem bemerkenswert. Ich würd ihn mir gern mal im Winter ansehen, wenn der Wasserfall (teilweise) zufriert.

Halbinsel Pärispea

Mein nächstes Ziel war die Halbinsel Pärispea. Was bestimmtes gibt es hier nicht zu sehen, außer Natur, die Ostseeküste, das Viinistu Kunst Museum und das ehemalige Grenzschutzgebäude.

Die Ostseeküste an der Halbinsel Pärispea in Estland
Grenzschutzgebäude in Pärispea

Altja

Im 40 Kilometer entfernten Altja fand ich es spannender: Altja ist ein kleines, urtümliches Straßendorf in dem seit Generationen Fischer und Küstenbauern leben. Die Höfe Uustalu und Toomarahva wurden vom Nationalpark rekonstruiert und können besichtigt werden. Am bekanntesten sind die Netzscheunen am Kap Altja.

Ausflugsziele Tallinn - die Netzschuppen in Altja

Ich habe erst später herausgefunden, dass sie 1973/74 nach alten Fotos und Erinnerungen der Dorfbewohner wiederhergestellt wurden.

Rundwanderweg „Altja matkarada“

Richtig schön sind hier die zahlreichen Wanderwege. Ich bin den 3,9 Kilometer langen Rundwanderweg „Altja matkarada“ gewandert.

Zuerst führt er über eine Hängebrücke in ein Waldstück mit Fluss. Die angenagten Baumstämme am Flussufer lassen keine Zweifel offen: hier fühlen sich Biber pudelwohl. Biber sind nachtaktiv, aber vielleicht habt ihr ganz viel Glück und ihr entdeckt einen.

Wanderweg bei Altja im Lahemaa Nationalpark

Ein paar Meter weiter wird der Weg sandig und ihr lauft parallel zur Ostsee. Der letzte Teil des Wanderweges führt euch durch einen dichten Wald zurück zum Ausgangspunkt. Ich fand es so bezaubernd, dass ich irgendwann glatt vergessen habe, dass ich meine Kamera dabeihatte.

Gutshof Palmse

Langsam wurde es Zeit zurück nach Tallinn zu fahren, aber ein kleiner Zwischenstop am Gutshof Palmse musste noch sein – das lag bei meiner Tour in den Lahemaa Nationalpark direkt auf meiner Strecke. Schade nur, dass er dann schon geschlossen hatte. Ich hätte mir gerne die Parks, Gärten und historischen Gebäude angesehen. Nun, dann beim nächsten Besuch.

Gutshof Palmse in Estland

Ich muss sagen, für zwei Tage habe ich einen super Einblick in Estlands Natur und Tallinns Umgebung bekommen. Mir hat`s richtig gut gefallen. Da fällt die Rückreise nicht so leicht.


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Schaut gerne bei dem Artikel zu meiner Städtereise nach Tallinn vorbei.

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