Üppige Schinken baumeln von der Decke des holzvertäfelten Ladens. Hinter der Schaufensterscheibe stapeln sich Mortadellalaibe. In der Auslage gegenüber reihen sich feinste Käsesorten aneinander und am Stand nebenan wetteifern Zucchini, Auberginen und Kräuter um die Gunst der Passanten. Ich bin in Bologna und mittendrin im kulinarischen Herzen der Stadt.
La Grassa („Die Fette“) ist neben La Dotta („Die Gelehrte“) und La Rossa („Die Rote“) nur einer der Namen, die der Hauptstadt der Emilia-Romagna zuteilwerden. An allen ist etwas Wahres dran. Davon konnte ich mich bei meiner Städtereise nach Bologna selbst überzeugen.
Und damit es Bologna auch auf eure Reiseliste schafft, nehme ich euch mit auf meinen Spaziergang durch die Stadt, zeige euch die schönsten Bologna Sehenswürdigkeiten und gebe euch praktische Tipps für euren Städtetrip.
Mein Tipp: Bologna habe ich als erste Station auf meiner Norditalien-Rundreise mit dem Zug besucht. Falls ihr mehrere Städte in Norditalien miteinander kombinieren möchtet, findet ihr dort meine komplette Route inklusive Tipps zur Reise.
Bologna Tipps für eure Städtereise
Bevor ich euch mit durch die schönsten Ecken Bolognas nehme, gibt es noch ein paar praktische Tipps für eure Reiseplanung. Wie kommt ihr vom Flughafen in die Innenstadt und wo lässt sich zentral übernachten?
Vom Flughafen Bologna ins Zentrum: Alle Möglichkeiten im Überblick
Nach der Landung am Flughafen Bologna ist die Innenstadt schnell erreicht. Je nachdem, ob euch Komfort, Geschwindigkeit oder der Preis wichtiger ist, habt ihr verschiedene Möglichkeiten.
Taxi
Die bequemste Variante ist das Taxi. Für die Fahrt vom Flughafen ins Stadtzentrum müsst ihr mit etwa 16 Euro rechnen. Die Fahrzeit beträgt ungefähr 20 Minuten.
Marconi Express
Besonders schnell bringt euch der Marconi Express ins Zentrum. Der Shuttle verbindet den Flughafen mit dem Hauptbahnhof Bologna Centrale und fährt etwa alle 10 Minuten. Die Fahrt dauert nur rund 7 Minuten, kostet allerdings etwa 13 Euro pro Person und Strecke.
Mit dem Bus günstig vom Flughafen Bologna in die Stadt
Die günstigste Möglichkeit ist der Bus der Verkehrsbetriebe TPER. Für etwa 2,30 Euro pro Person bringt euch die Linea Q vom Flughafen zum Knotenpunkt Ospedale Maggiore. Von dort könnt ihr in weitere Buslinien Richtung Innenstadt umsteigen. In den Randzeiten fährt der Bus teilweise direkt bis zum Hauptbahnhof Bologna Centrale.
Die Tickets könnt ihr am Automaten an der Haltestelle oder direkt im Bus kaufen. Kontaktloses Bezahlen ist problemlos möglich. Die Fahrkarte gilt 75 Minuten und muss bei einem Umstieg erneut validiert werden.
Zugegeben: Im ersten Moment war es für mich etwas ungewohnt, völlig ohne physisches Ticket unterwegs zu sein. Da meldet sich schnell das deutsche Kontrollbedürfnis. Aber das System hat problemlos funktioniert.
Kleiner Hinweis für Sparfüchse: Bei eurer Recherche werdet ihr vielleicht noch auf den Tipp stoßen, mit den Buslinien 81 oder 91 vom Flughafen Bologna in die Stadt zu fahren. Diese Variante war lange Zeit die günstigste Möglichkeit und kostete ebenfalls nur rund 2,30 Euro pro Person. Allerdings musste man dafür zunächst zu Fuß zu einer Haltestelle außerhalb des Flughafens laufen.
Seit März 2025 gibt es mit der Linea Q eine deutlich bequemere Lösung zum gleichen Preis. Der Shuttlebus startet direkt vor dem Terminal und bringt euch zum Umstiegspunkt Ospedale Maggiore. Von dort geht es mit den Stadtbussen weiter Richtung Zentrum.
Unterkunftstipp für Bologna
Bei meiner Städtereise nach Bologna war mir vor allem eine zentrale Lage wichtig. Ich wollte die Stadt zu Fuß erkunden und möglichst wenig Zeit mit Wegen verschwenden.
Meine Wahl fiel auf das Bolognahome mitten im Stadtzentrum. Die Zimmer und auch das Bad waren zwar klein, aber für mich und meine Reisebegleitung bei zwei Übernachtungen völlig ausreichend. Supermärkte befinden sich direkt in der Nachbarschaft und viele Sehenswürdigkeiten von Bologna sind bequem zu Fuß erreichbar.

Besonders praktisch fand ich die Lage am Abend: Wenn die historischen Gebäude rund um die Piazza Maggiore stimmungsvoll beleuchtet sind, konnte ich jederzeit noch einmal losziehen und die Atmosphäre genießen. Der berühmte Platz liegt nur etwa 500 Meter entfernt.
Sehenswürdigkeiten in Bologna
Was ich an Italien besonders liebe, ist die Tatsache, dass viele Städte mit ihren historischen Gassen, Plätzen und Gebäuden selbst wie ein großes Freilichtmuseum wirken. In Bologna ist das nicht anders. Hier spaziert ihr kilometerweit unter den berühmten Arkaden entlang, die nicht nur zum Stadtbild gehören, sondern selbst eine Sehenswürdigkeit sind und euch von einem Highlight zum nächsten führen.
Piazza Maggiore und der Neptunbrunnen
Umgeben vom Rathaus Palazzo d’Accursio, dem Palazzo dei Notai, der Basilica San Petronio und dem Palazzo dei Banchi ist auf der Piazza Maggiore eigentlich immer etwas los. Hier treffen sich Reisegruppen zum Stadtrundgang, Sportvereine machen Mannschaftsbilder, Händler versuchen Luftballons und andere Kleinigkeiten an Touristen zu verkaufen, Musiker spielen ihre Lieder und Gäste der Restaurants und Bars genießen bei einem Espresso oder Aperitif die besondere Atmosphäre.
Die Piazza Maggiore ist bis heute das Herzstück Bolognas.

Wenn ihr die Piazza Maggiore von oben betrachten wollt, dann habt ihr hier die Chance vom Uhrenturm des Palazzo d’Accursio. Ich selbst war zwar nicht oben. Wenn ich den Uhrenturm heute besuchen würde, dann vermutlich am Nachmittag. Dann steht die Sonne günstig und die Piazza Maggiore dürfte besonders schön zur Geltung kommen.
Die Basilica San Petronio prägt die Südseite der Piazza Maggiore und zählt zu den größten Backsteinkirchen Europas. Besonders auffällig ist ihre unvollendete Fassade: Während der untere Teil mit Marmor verkleidet wurde, blieb der obere Bereich bis heute aus Backstein. Werft unbedingt auch einen Blick ins Innere – der Eintritt ist kostenlos.

Nicht zu übersehen ist der aus Marmor und Bronze gefertigte Neptunbrunnen. Mit seinen Delphinen, Sirenen, Putten und Wappen stammt aus dem 16. Jahrhundert und gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen Bolognas.
Besonders schön fand ich die Piazza Maggiore am Abend. Dann wird es deutlich ruhiger und die historischen Gebäude rund um den Platz sind stimmungsvoll beleuchtet.
Das historische Marktviertel Quadrilatero
Von der Piazza Maggiore aus ist es nur ein Katzensprung in das Stadtviertel Quadrilatero. Dazu müsst ihr nur auf der Ostseite des Platzes in die Via Pescherie Vecchie abbiegen.
Statt weitläufiger Rundumsicht lauft ihr hier durch enge, kopfsteingepflasterte Straßen. Bei meinem Besuch war es so gut besucht, dass es mich sofort an die Gassen rund um die Bouchons in Lyon erinnerte. Hier reihen sich Delikatessenläden, in deren Auslagen Parmigiano Reggiano, Mortadella und frische Pasta um die Wette glänzen. Zwischendrin bieten Gemüsehändler ihre Ware an und an manchen Ecken muss man sich fast schon wie ein Slalomläufer seinen Weg zwischen den Tischen der Bars und Restaurants bahnen.


Schon seit Jahrhunderten wird im Quadrilatero gehandelt, gegessen und genossen. Beim Spaziergang durch die schmalen Gassen ist das bis heute an jeder Ecke spürbar. Wenn man sich all die Köstlichkeiten ansieht, ist schnell klar, warum Bologna auch „La Grassa“, also Die Fette, genannt wird. Das ist durchaus keine Beleidigung, sondern rührt einfach von der Fülle an Nahrungsmitteln, die die Stadt bereits im Mittelalter zu Wohlstand brachte.
Abgesehen vom Quadrilatero werdet ihr an vielen Orten in Bologna auf große und kleine Läden stoßen, in denen ihr die bekannten Klassiker wie Tagliatelle al Ragù, Tortellini in Brodo oder Lasagne alla Bolognese probieren könnt.
Ich habe die Tortellini fritti probiert, die in Bologna als Streetfood gelten. Ganz ehrlich? Ich hatte mir etwas mehr davon versprochen. Vielleicht waren meine Erwartungen aber auch einfach zu hoch.
Due Torri – die schiefen Türme von Bologna
Ich biege auf die Via Rizzoli in Richtung Piazza di Porta Ravegnana ein. Mitten in der geschäftigen Straße ragt der Torre Asinelli, einer der beiden Due Torri, in die Höhe.

Die bis zu 97 Meter hohen Türme aus dem 12. Jahrhundert sind das Wahrzeichen von Bologna. Der Torre Asinelli (der höhere Turm) und der Torre Garisenda sind die letzten der ehemals bis zu 180 mittelalterlichen Geschlechtertürme Bolognas.
Je näher man den beiden Türmen kommt, desto besser erkennt man die auffällige Neigung des Torre Garisenda. Verantwortlich dafür ist eine Absenkung des Untergrunds. Dadurch geriet der Turm bereits während des Mittelalters in Schieflage.
Aktuell sind die Türme aufgrund von Wartungsarbeiten nicht zugänglich. Schade, denn der Ausblick vom Torre Asinelli kann nur atemberaubend sein – vorausgesetzt, man kommt nach den 498 Treppenstufen bis zur Aussichtsplattform wieder zu Atem.
Finestrella – Canale di Reno
Meine nächste Station ist kein kleiner Geheimtipp in Bologna. Jedenfalls dachte ich das, bis ich die Besucherschlange vor dem winzigen Fenster sah. Das kleine Fenster in der Via Piella liegt knapp 500 Meter von der Piazza Maggiore entfernt und bietet einen Blick auf den Canale delle Moline, einen Seitenkanal des Reno. Es gehört mittlerweile zu den beliebtesten Fotospots in Bologna.

Was ich nicht wusste: Bologna war früher von einem Netz aus Kanälen durchzogen. Sie dienten nicht nur dem Transport von Waren, sondern waren auch wichtig für die Energieversorgung der Stadt. Heute sind die meisten Kanäle überbaut oder verborgen, weshalb der Blick durch das Finestrella einen besonderen Einblick in die Vergangenheit Bolognas gibt.
Der Blick von der Brückenseite gegenüber kann mit dem Blick aus dem Fenster meiner Meinung nach nicht mithalten.
Santo Stefano – die „Sieben Kirchen“ von Bologna
Von den Due Torri führt mich mein Spaziergang weiter zur Piazza Santo Stefano. Schon von außen fällt die ungewöhnliche Fassade der Basilica di Santo Stefano auf. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Komplex aus mehreren miteinander verbundenen Kirchen, der deshalb auch als „Sieben Kirchen“ bezeichnet wird.

Ich habe die Anlage nur von außen gesehen, aber allein der Blick auf die Piazza Santo Stefano lohnt sich. Der dreieckige Platz mit seinen historischen Gebäuden und den Arkaden wirkt deutlich ruhiger als die belebte Piazza Maggiore.
Arkaden – Spazieren unter den UNESCO – Säulengängen
Apropos Arkaden: Bei meinem Spaziergang durch Bologna war ich eigentlich ständig unter ihnen unterwegs. Nach all den Sehenswürdigkeiten sind sie vielleicht das, was die Stadt am meisten prägt. Auf mehr als 60 Kilometern Länge ziehen sich die Säulengänge durch Bologna und zeigen sich von wundervoll restauriert und reich geschmückt, über einfach und schlicht mit bröckelnder Fassade bis zu mittelalterlich aus Holz.

Der Grund für die Akarden ist naheliegend. Durch das starke Wachtum der Stadt wurde Wohnraum so knapp, dass Arkaden, als naheliegenste Lösung, sogar eine Zeit lang rechtlich verpflichtend waren.
Die älteste erhaltene Arkade Bolognas befindet sich an der Casa Isolani in der Strada Maggiore. Der längste zusammenhängende Abschnitt führt über 3,8 Kilometer zur Wallfahrtskirche Santuario della Madonna di San Luca.
Santuario della Madonna di San Luca – Bolognas schönster Aussichtspunkt
Jetzt ist Ausdauer gefragt. Es geht zur Santuario della Madonna di San Luca. Sie liegt auf dem Colle della Guardia südwestlich der Innenstadt und ist eines der wichtigsten Wahrzeichen Bolognas.
Fast 4 Kilometer liegen vor mir, die viele sportbegeisterte Bologneser gerne als Trainingsstrecke nutzen. Tatsächlich habe ich bei meinem Aufstieg einige Jogger gesehen, die den sanften, aber stetigen Anstieg mit einem Lächeln hinaufjoggten. Ich dagegen bin auf dem ersten Viertel schon leicht aus der Puste.


Die allseits beliebte Frage: „Ist es noch weit?“ erübrigt sich hier, denn dankenswerterweise sind die 666 Bögen der Arkade nummeriert. Zum Glück fiel meiner Begleitung diese Nummerierung nicht auf, sonst hätte sie vermutlich schon bei Bogen 200 irgendwas das Handtuch geworfen.
Letztendlich hat er es bis Säulenbogen 552 geschafft und blieb, mit Ausblick auf Bologna, dort sitzen. Die letzten 114 Säulen gehe ich allein weiter.

Oben angekommen lockt die fantastische Aussicht auf Bologna – allerdings nur, wenn ihr den Eintritt für die Aussichtsplattform bezahlt. Ohne Ticket bleibt euch der ebenfalls schöne Blick über die Landschaft. Gut. Dann hätte ich mir die letzten Meter auch sparen können.
Wenn ihr keine Lust auf den Fußweg habt, dann köönt ihr mit dem Touristenzug San Luca Express für 15 Euro pro Person von der Piazza Maggiore bis zur Basilika San Luca und zurück fahren.
Aber ehrlich: auch wenn es etwas anstrengend war fand ich den Ausflug klasse.
La Dotta, La Grassa, La Rossa – Weitere Sehenswürdigkeiten in Bologna
Bologna ist für mich eine Stadt, in der ihr problemlos zwei Tage verbringen könnt, ohne auch nur ein einziges Museum von innen gesehen zu haben. Klar sind das historische Universitätsgebäude und das anatomisches Theater etwas, was ihr nur in Bologna erleben könnt und durchaus sehenswert.
Schließlich kommt der Name „La Dotta“, die Gelehrte, nicht zufällig, sondern geht auf die Universität Bologna zurück, die als älteste Universität der westlichen Welt gilt.

Ich bin aber eher der Typ, der sich gerne die Stadt anschaut und habe daher noch einen Rundgang durch das Viertel Città Universitaria gedreht. Im Gegensatz zu den touristischen Hotspots geht es hier persönlicher zu. In den Bars rund um die Via Giuseppe Petroni dominiert das studentische Leben und hat daher nochmal einen anderen Charme, als die Stadtteile, die ich bisher kennengelernt habe.
Auch zum Mercato delle Erbe, dem größten überdachten Markt im historischen Zentrum von Bologna habe ich es nicht geschafft. Aber auch das ist nicht schlimm. In Bologna wird niemand verhungern. Dafür bietet „La Grassa“ einfach zu viele Restaurants, Bars oder Bäckereien, in den ihr für jede Hungerlage das Passende findet.
Bleibt noch „La Rossa“ – die Rote. Und auch da passt der Name, wie die Faust auf’s Auge. Ob unter den Arkaden, auf den großen Plätzen oder in den kleinen Gassen: Der warme Rotton der Fassaden begleitet euch überall durch Bologna.
Spartipp für Bologna – Bologna Welcome Card
Für meinen Aufenthalt hat sie sich nicht gelohnt, aber wenn ihr länger vor Ort seid und viele Museen besichtigen wollt, dann schaut, ob sich die Bologna Welcome Card für euch lohnt. Die Vergünstigungen sind wirklich attraktiv. Infos bekommt ihr dazu auf der offiziellen Website oder in der Touristeninformation an der Piazza Maggiore.
Bologna – Lohnt sich die Stadt?
Yes, Bologna lohnt sich. Ich fand die Stadt richtig klasse. Bologna ist jung und alt, pulsierend und entspannt zugleich. Hinter jeder Straßenkreuzung der Altstadt warten spannende Details zur Geschichte. Besonders schön fand ich, dass die Stadt ihre Highlights nicht in einzelne Ecken verteilt, sondern man beim Schlendern von einem Erlebnis zum nächsten kommt.

Zudem kam, dass ich bei meinen Besuch im April auch super Wetter hatte. Sonnig bei max. 25°C war selbst der Aufstieg zur Santuario della Madonna di San Luca gut machbar. Im Hochsommer würde ich das weniger favorisieren. Aber ich denke selbst in der Hauptsaison lässt es sich dank der Arkaden in Bologna bestens aushalten.
Ehrlich gesagt: ich wüsste nicht, wem eine Städtereise nach Bologna nicht gefallen könnte.
Habt ihr Bologna schon besucht oder plant ihr gerade eure Reise? Welche Orte haben euch besonders gefallen oder dürfen eurer Meinung nach nicht fehlen? Ich freue mich auf eure Erfahrungen und Tipps in den Kommentaren.



