Es liest sich fast wie ein ewiges Duell unter Belgien-Reisenden: Brügge oder Gent – welche Stadt ist schöner? Während Brügge mit seiner mittelalterlichen Altstadt weltberühmt geworden ist, gilt Gent in Belgien noch immer als echter Geheimtipp. Viele schwärmen von der lebendigen Atmosphäre, den Grachten und den beeindruckenden Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Da ich vom mittelalterlichen Brügge bereits absolut begeistert war, wollte ich herausfinden: Kann eine Städtereise nach Gent da wirklich mithalten?
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Gent lassen sich dabei perfekt bei einem Stadtrundgang entdecken, darunter Graslei, Gravensteen und die St.-Bavo-Kathedrale.
In diesem Artikel nehme ich euch mit auf meinen Stadtrundgang durch Gent. Ich zeige euch die schönsten Sehenswürdigkeiten in Gent, teile meine persönlichen Highlights und gebe euch praktische Reisetipps für euren Städtetrip nach Belgien.
Am Ende klären wir natürlich auch die große Frage: Gent oder Brügge – welche Stadt lohnt sich mehr?
Die besten Sehenswürdigkeiten in Gent
Ob ihr nur für einen Tag oder ein ganzes Wochenende in Gent seid – die Stadt begeistert mit einer Mischung aus historischer Architektur, Grachten und modernem Lebensgefühl. Viele Sehenswürdigkeiten in Gent lassen sich dabei ganz entspannt bei einem Stadtrundgang entdecken.
Portus Ganda
Meine Tour startet am Portus Ganda, einem der schönsten Jachthäfen in Gent. Es ist nicht so, dass ich mit einem Boot angereist bin, obwohl das eigentlich auch mal klasse wäre. Gerade in Gent bietet sich das an, denn der Hafen liegt überraschend nah an der Altstadt. Einige Liegeplätze sind bereits belegt und an den Kaimauern haben kleine Hausboote festgemacht.
Von hier aus ist die erste große Sehenswürdigkeit in Gent nur etwa zehn Minuten zu Fuß entfernt.

St.-Bavo-Kathedrale
Das ändert sich langsam, je näher ich der Innenstadt komme. Das Denkmal der Van-Eyck-Brüder vor der mächtigen St.-Bavo-Kathedrale liefert direkt das erste richtig gute Fotomotiv. Das sehe nicht nur ich so, sondern auch zwei Paare, die ebenfalls für einen Städtetrip nach Gent hier unterwegs sind.
Einer von ihnen ist völlig „excited about this beautiful city“. So viel Begeisterung macht mich neugierig, also geht es strammen Schrittes weiter Richtung Innenstadt.

Kaum bin ich an der St.-Bavo-Kathedrale vorbeigegangen, fällt mir zum ersten Mal die Kinnlade runter. Gent. Du bist schön!
Sint-Baafsplein
Während ich den Sint-Baafsplein bestaune, drängeln sich Einheimische an mir vorbei. Hups. Ich stehe – wie es sich für einen Touristen gehört – komplett im Weg. Um den Platz zwischen Belfort, Stadttheater und Kathedrale etwas entspannter bewundern zu können, stelle ich mich vor den großzügigen Eingang der Kirche. Hier störe ich wenigstens niemanden, denn die mächtigen Türen sind geschlossen.

Schade eigentlich, denn die St.-Bavo-Kathedrale beherbergt mit dem Genter Altar eines der bekanntesten Kunstwerke Belgiens. Mir bleibt an diesem Tag nur das Plakat an der Kirchentür, das einen Ausschnitt des berühmten Lammes zeigt. Wer das Meisterwerk besichtigen möchte, braucht allerdings ein Ticket. Optional könnt ihr den Besuch auch mit einem AR-Rundgang erweitern.
AR steht für „Augmented Reality“. Dabei werden virtuelle Elemente in das reale Bild eingeblendet. Das ist ein bisschen wie in alten Sci-Fi-Filmen, nur deutlich weniger dramatisch.
Korenmarkt
Weiter geht es geradeaus an den Straßenbahnschienen entlang zum Korenmarkt. Mit der Sint-Niklaaskerk im Rücken bestaune ich ein weiteres Mal die Stadt. Das prächtige Gebäude gegenüber könnte glatt als Rathaus durchgehen. Ist es aber nicht. Im Erdgeschoss des ehemaligen Postgebäudes schlummert heute ein Shoppingcenter, während im Obergeschoss genug Platz für ein Luxushotel geblieben ist.

Rechts neben dem Postgebäude reihen sich kleine Cafés und weitere Shops aneinander. Das zieht sich fast bis hin zum Groentenmarkt und verleiht der Gegend eine angenehm lebendige Atmosphäre.
Groentenmarkt (Gemüsemarkt)
Der Groentenmarkt ist ein Muss für die Foodies unter euch. Hier bekommt ihr zum Beispiel die berühmten Cuberdons. Die kegelförmigen Süßigkeiten findet ihr nicht nur bei den beiden Straßenverkäufern, sondern auch in vielen kleinen Läden rund um den Platz.
Dass Gent sogar seinen eigenen Senf hat, war mir vorher zum Beispiel völlig neu. Der Senf des Handwerksbetriebs Tierenteyn-Verlent ist zwar nicht so weltberühmt wie der französische Senf aus Dijon, aber mit Sicherheit genauso schmackhaft.
Darüber hinaus habt ihr hier die Chance, eine Portion Pommes vom Sternekoch Sergio Herman zu probieren, die älteste Bäckerei der Stadt zu besuchen oder euch durch regionale Produkte in der historischen Fleischerhalle zu testen.
Die Fleischerhalle hatte bei meinem Besuch in Gent leider wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Ich hätte trotzdem wahnsinnig gern einen Blick hineingeworfen, allein schon wegen der berühmten Schinken, die dort von der Decke hängen sollen.
Kulinarisch langweilig wird es am Groentenmarkt jedenfalls nicht.
Gravensteen (Grafenburg)
Quietschend rollt die Straßenbahn um die Kurve und bahnt sich ihren Weg durch die Touristenmassen. Die bewegen sich zielstrebig in Richtung Gravensteen, einer der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Gent.
Seit 1180 steht das feudale Gemäuer inmitten der Stadt auf einer Sanddüne und hat sich äußerlich kaum verändert. Im Inneren der grauen Mauern ging es oft hoch her. Romantische Intrigen, Rittersagen und die obligatorische Folterkammer fehlen nicht in der Historie.

Ende des 18. Jahrhunderts änderte sich das Leben in der Burg drastisch. Statt Rittern lebten und arbeiteten dort arme Baumwollspinnerfamilien, die die Räume für ihre Zwecke nutzten.
Als auch diese Zeit zu Ende ging, kümmerte sich zunächst niemand mehr um die Burg. Zu viele negative Geschichten hafteten ihr an. Erst die Weltausstellung von 1913 in Gent änderte das Blatt und das Image der Anlage nachhaltig.
Ein Glück, denn sonst wäre die mittelalterliche Wasserburg vermutlich irgendwann abgerissen worden.

Rabot
Nach so viel Trubel brauche ich erstmal eine kurze Pause. Anschauen möchte ich mir trotzdem noch etwas, also streife ich entspannt am Kanal Lieve entlang. Hier zeigt sich Gent von seiner ruhigen Seite. Die Sonne scheint, ab und zu kommt mir ein Radfahrer entgegen. Ansonsten ist kaum jemand unterwegs.

Kaum bin ich auf der Höhe des Rabot angekommen, tuckert ein voll beladenes Touriboot an mir vorbei. Aha. Hier kann man Bootstouren machen. Gut zu wissen.
Das Boot dreht vor dem Rabot. Die Kameras klicken, während der Kapitän über die Sehenswürdigkeit mit den zwei Türmen referiert.
So schnell, wie das Boot angeschippert kam, so schnell macht es sich auf den Rückweg. Für mich bleibt neben dem schönen Überrest der alten Stadtmauer nicht mehr viel zu sehen, also geht es für mich weiter zum nächsten Highlight.

Bootstouren durch Gent
Ihr habt Lust auf eine Ganztagestour mit Bootsfahrt, Eintritten für Sehenswürdigkeiten und Drinks? Oder wollt ihr Gentlieber ganz entspannt mit einer Hop on Hop off Wasser-Trambahn erkunden?
Kein Problem. An den beiden Prachtstraßen Graslei und Korenlei findet ihr die Anbieter und Optionen für die Bootstouren.
Mein Tipp: Der Kassenschlager, die 40-minütige Bootsrundfahrt durch das mittelalterliche Gent, ist mit 9 Euro p. P. deutlich günstiger als in Brügge.
Graslei und Korenlei
An den beiden Flussufern kann man einfach nur kurz innehalten und die Atmosphäre auf sich wirken lassen. Die Giebelreihe an der Graslei nicht mitzunehmen, wäre eigentlich fast fahrlässig. Von der Korenlei aus habt ihr dafür die beste Aussicht auf das gesamte Ensemble. Auf dieser Uferseite gibt es zwar weniger Restaurants und Cafés als an der Graslei, aber das macht nichts. Auf der Kaimauer kann man sich genauso gut hinsetzen und die Beine über das Wasser baumeln lassen.

Richtig beeindruckend sind die vielen Details der denkmalgeschützten Giebelhäuser. Einige von ihnen reichen sogar bis ins 13. Jahrhundert zurück.
Sint-Michielsbrug (St.-Michael-Brücke)
Okay, genug entspannt. Weiter geht es auf die St.-Michael-Brücke. Hier kommt die Kamera noch einmal ordentlich zum Einsatz. Der Blick hinunter auf Graslei und Korenlei ist wirklich bezaubernd. Dazu kommt die freie Sicht auf die berühmte Dreiturmreihe von Gent.

Graffitistreet
Ein paar Kunstwerke habe ich hier und da bereits in der Stadt gesehen, die wirklich ganz gut waren. Umso gespannter bin ich, ob die Graffitistreet in der Werregarenstraat hält, was sie verspricht.
Sagen wir es so: Es ist eher eine Gasse, in der sich viele verschiedene Stile und Werke sammeln. Einige richtig gute Pieces sind dabei, andere wirken eher wie Übungsflächen. Insgesamt ist es aber ein interessanter kurzer Stopp, wenn man sowieso in der Nähe unterwegs ist.


Vrijdagmarkt (Freitagsmarkt)
Den Platz hatte ich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm und bin eher zufällig hier gelandet. Ein Glück!
Der weitläufige Vrijdagmarkt war schon immer ein zentraler Treffpunkt in der Stadt – mal für rauschende Feste, mal für deutlich weniger schöne, eher düstere Ereignisse. Eines hat sich über die Jahrhunderte aber gehalten: Der Platz macht seinem Namen alle Ehre und beherbergt bis heute jeden Freitag einen Markt.

Das urige Het Toreken aus dem 15. Jahrhundert ist das älteste Gebäude auf dem Platz. Das Standbild von Jacob van Artevelde sowie die Gebäude Ons Huis und Bond Moyson kamen erst später hinzu und prägen heute das Bild des Platzes.
Gent bei Nacht: Ein ganz besonderes Erlebnis
Was gibt es Schöneres, als nach einem langen Tag voller Sightseeing erstmal in der Unterkunft zu entspannen? In Gent sollte man sich allerdings noch einmal aufraffen und später am Abend wieder in die Stadt gehen. Glaubt mir, es lohnt sich.


Zwischen etwa 19 und 24 Uhr werden die schönsten Gebäude in der Innenstadt stimmungsvoll beleuchtet. Und da die gesamte Altstadt von Gent beeindruckend ist, trifft das praktisch auf fast jeden Platz zu.
Dabei ist mir erst am Abend die Stadthalle richtig aufgefallen. Die hatte ich bei meinem Rundgang am Tag tatsächlich komplett übersehen.
Also am besten ein kleines Stativ einpacken und noch einmal losziehen.




Brügge oder Gent? Welche Stadt ist schöner für eure Städtereise?
Hui, schwere Frage. Hier treffen zwei sehr unterschiedliche Städte aufeinander.
Gent bietet viele große und eindrucksvolle Bauwerke auf relativ engem Raum. Besonders die Altstadt wirkt lebendig und vielseitig. Die kleinere Stadt Brügge kann da architektonisch zwar nicht ganz mithalten, wirkt dafür aber deutlich homogener, ruhiger und mit ihren vielen kleinen Häusern fast wie aus der Zeit gefallen.
Historisch betrachtet hatte Brügge seine Blütezeit im 15. Jahrhundert und ist danach langsam in eine Art Dornröschenschlaf gefallen. Gent hingegen hat sich weiterentwickelt und blieb über die Jahrhunderte eine lebendige Stadt.
Am Ende würde ich keine der beiden Städte auslassen. Gent ist lebendiger und moderner, Brügge ist ruhiger und romantischer. Welche Stadt schöner ist, hängt vom persönlichen Geschmack ab.
Tipps für eure Reise nach Gent
Damit euer Städtetrip nach Gent reibungslos verläuft, habe ich hier noch ein paar praktische Informationen zusammengefasst. Gerade bei der Anreise mit dem Auto gibt es in Belgien einige Besonderheiten, auf die ihr achten solltet, damit ihr entspannt in eurer Unterkunft ankommt.
Umweltzone
Wie Antwerpen und Brüssel hat auch Gent eine Umweltzone, in die ihr nicht ohne Registrierung einfahren solltet. Hier müsst ihr euer Auto vorher anmelden. Falls ihr euch bereits für Antwerpen registriert habt, müsst ihr das nicht noch einmal machen. Beide Städte liegen in Flandern, daher gilt die Registrierung für die gesamte Region.
Übernachtungstipp in Gent
Ich war im B&B Martijn Dewulf Gent. Ich mags ja, wenn Unterkünfte so sauber sind, dass selbst die pingeligste Person nichts zu meckern hätte. Das Studio ist so ein Kandidat.
Die Unterkunft liegt in einer kleinen Galerie und verfügt über eine eigene Terrasse mit Sitzmöglichkeiten. Außerdem ist sie gut 2,5 km von der Innenstadt entfernt. Besonders praktisch: Es gibt eine eigene Garage für das Auto und viel Infomaterial zur Stadt direkt vor Ort.
Einziger kleiner Nachteil: Der Check-in ist erst ab 17:00 Uhr.
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Was meint ihr: Ist Gent eine tolle Stadt oder seid ihr eher Team Brügge?




Gent sieht so unfassbar schön aus. Deine Bilder machen definitiv Lust auf mehr!
Viele Grüße
Tobias
Hallo Tobias,
Gent ist eine richtig schöne Stadt. Die hat mich glatt umgehauen. Ich bin mir sicher, dass sie Dir auch gefallen wird.
Viele Grüße
Frauke