Belgien, Städtereise
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Namur Sehenswürdigkeiten: Ein Tag in der wallonischen Hauptstadt

Belgien Wallonie Namur Sehenswürdigkeiten Place d'Armes

Meine Unterkunft liegt zentral im Stadtzentrum von Namur, der Hauptstadt der Wallonie im französischsprachigen Belgien. Eigentlich also die beste Voraussetzung für eine ausgedehnte Erkundungstour.

Wäre da nicht der Regen, der seit Stunden gegen die Fensterscheiben prasselt. Gegen Mittag lässt er endlich nach und ich verschenke keine Zeit mehr. Ich ziehe los, um Namur zu Fuß zu erkunden und möglichst viele Sehenswürdigkeiten der wallonischen Hauptstadt zu entdecken.

Am späten Nachmittag wird das Wetter wieder schlechter. Also ziehe ich abends kurzerhand noch einmal los.


Namur liegt am Zusammenfluss von Maas und Sambre im französischsprachigen Belgien. Die Stadt ist die Hauptstadt der Wallonie und der Provinz Namur und liegt rund 65 Kilometer südlich von Brüssel.

Namur ist außerdem Universitätsstadt. Die Universität liegt mitten im Stadtzentrum und bringt rund 7.500 Studierende in die wallonische Hauptstadt. Das sorgt trotz der überschaubaren Größe der Stadt für eine lebendige Atmosphäre.

Namur Altstadt: Mein Stadtrundgang zu den Sehenswürdigkeiten

Die überschaubare Altstadt mit ihren kleinen Gassen und Sehenswürdigkeiten lässt sich gut zu Fuß erkunden. Wirklich verlaufen könnt ihr euch im Altstadtzentrum kaum. Das Herz von Namur liegt zwischen dem Bahnhof im Norden und der Mündung der Sambre in die Maas im Süden. Die beiden Punkte liegen nur etwa einen Kilometer auseinander. Von Ost nach West sind es rund zwei Kilometer. Also macht euch auf einen gemütlichen Stadtbummel gefasst.

Kathedrale St. Aubain

Das prunkvolle, kirchliche Schmuckstück passt optisch gar nicht so recht in die kleinen, verwinkelten Straßen der Stadt. Das liegt weniger an der Größe als an der Bauart. Ein Hauch Italien kommt beim Anblick der rostroten Kathedrale nicht von ungefähr: Der italienische Architekt Gaetano Matteo Pisoni entwarf den heutigen Bau, der zwischen 1751 und 1767 errichtet wurde.

Belgien Wallonie Namur Sehenswürdigkeiten Kathedrale St. Aubain
Die barocke Kathedrale Saint-Aubain prägt das Stadtbild am gleichnamigen Platz in Namur.

Den besten Blick auf die Kathedrale habt ihr vom Place Saint-Aubain vor dem Eingang. Der Platz dient gleichzeitig als Parkplatz. Da bleibt nichts weiter, als die dort parkenden Autos bestmöglich zu ignorieren.

Art-Déco Viertel in Namur

Allein der Anblick von Art Déco lässt mein Herz immer eine Spur höher schlagen. Die Architektur mit all ihren liebevollen Details ist einfach nur schön anzusehen und mir persönlich lieber als viele andere Stilrichtungen.

Wer jetzt allerdings prunkvolle Bauten voller Schnörkel und floraler Muster wie in Riga oder die geradlinige Eleganz von Miami erwartet, dem kann ich hier gleich die Luft rausnehmen.

Jugendstil-Fassade eines Friseursalons für Kinder namens "Les Enfants d'Abord" mit blauer Holzverkleidung und geschwungenen Fenstern in Namur
Die gut erhaltene Art-Nouveau-Fassade des Kinderfriseurs „Les Enfants d’Abord“ in der Rue de l’Ouvrage.

Das Art-Déco-Viertel von Namur liegt rund um die Rue des Carmes und die Rue des Croisiers. Die Gebäude stammen größtenteils aus der Zwischenkriegszeit und zeigen die für Art Déco typischen geometrischen Formen und klaren Linien.

Und ja. Mir fällt es auch immer schwer, nicht zu erwartungsvoll an Stadtbesuche heranzugehen.

Namur war und ist keine riesig große, pulsierende Metropole. Das Herz der belgischen Stadt schlägt gemütlich und ruhig vor sich hin. Die architektonischen Schmuckstücke sind hier eine Nummer kleiner.

Street Art in Namur

Namur hat ordentlich Street Art zu bieten. Die 45 kleinen Skulpturen des spanischen Künstlers Isaac Cordal, die ihr zum Beispiel auch in Brüssel oder Barcelona findet, sind wirklich klein und schnell zu übersehen. Also haltet die Augen auf! Sie verstecken sich in Nischen, auf Mauervorsprüngen oder über Schaufenstern und lassen sich bei einem Spaziergang durch die Innenstadt entdecken. Gute Chancen habt ihr in der Rue des Carmes und rund um den Gemüsemarkt.

Andere Street Art, wie die großflächigen Murals, kann man einfach nicht übersehen. Die Stadt hat über die Jahre zahlreiche Kunstwerke im öffentlichen Raum integriert und daraus eine Street-Art-Route durch Namur entwickelt.

Auf der Website der Touristeninformation findet ihr eine Karte mit den verschiedenen Kunstwerken. Auch die Werke von Isaac Cordal sind dort eingezeichnet.

Belgien Wallonie Namur Sehenswürdigkeiten Mural Fresque des Wallons
Detailverliebtes Trompe-l’œil: Die „Fresque des Wallons“ zeigt berühmte Persönlichkeiten und Symbole der wallonischen Geschichte.

Place d’Armes und die Schnecken von Namur

Der Place d’Armes gehört für mich zu den schönsten Plätzen der Innenstadt. Hier steht die ehemalige Börse. Das Gebäude mit seinen tiefroten Backsteinen und dem grauen Dach ist wirklich schick anzusehen und wird heute als Kongress- und Veranstaltungszentrum genutzt. Auch die Häuser zur Linken passen bestens zu dem rechteckigen Platz. Der wiederum ist etwas schmucklos, aber so bleibt freie Sicht für schöne Fotos.

Nahaufnahme des historischen Börsengebäudes La Bourse am Place d'Armes in Namur mit dem Belfried im Hintergrund
Das Börsengebäude La Bourse am Place d’Armes, dahinter ragt der historische Belfried von Namur auf.

Was mir am besten gefallen hat, waren allerdings die Skulpturen der Künstlerin Suzanne Godart: Die beiden Herren D’Joseph und Françwès mit ihren Schnecken stehen am Place d’Armes vor dem Gebäude der ehemaligen Börse.

Die Figuren gehen ursprünglich auf den Künstler und Schriftsteller Jean Legrand zurück und sind für Namur ein bisschen das, was Tünnes und Schäl für Köln sind: bekannte lokale Figuren, die ein Stück weit für den Charakter ihrer Stadt stehen. Die Schnecken sind dabei kein Zufall: Sie stehen für die sprichwörtliche Langsamkeit der Namurer.

Belgien Wallonie Namur Sehenswürdigkeiten Statue D'Joseph und Françwès
Humorvolles Wahrzeichen an der Place d’Armes: Djoseph und Françwès spiegeln die entspannte Lebensart der Menschen in Namur wider.

Belfried von Namur

Links hinter der ehemaligen Börse ragt der Belfried in die Höhe. Statt roter Backsteinziegel ist er aus hellem Kalkstein gebaut. Das Dach passt aber gut zur ehemaligen Börse und ergibt zusammen ein schönes Bild.

Der Belfried von Namur war ursprünglich Teil der Stadtbefestigung. Der runde Turm wurde ab 1388 als Tour Saint-Jacques errichtet und diente zunächst als Wehrturm. Erst 1746 wurde er zum Belfried der Stadt. Seit 1999 gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe „Belfriede in Belgien und Frankreich“.

Durch die Altstadtgassen zum Tour Marie Spilar

Wenn ihr hinter dem Belfried rechts abbiegt, kommt ihr zum Theater. Vor allem am Abend lohnt sich ein kurzer Blick auf das beleuchtete Gebäude. Dann wirkt das Theater noch einmal ganz anders.

Belgien Wallonie Namur Sehenswürdigkeiten Theater
Das Théâtre Royal de Namur erstrahlt am Place du Théâtre in stimmungsvoller Abendbeleuchtung.

Von hier aus geht es für mich weiter in die Rue de la Tour zum Tour Marie Spilar. Der zwischen 1388 und 1390 errichtete Wehrturm ist ein erhaltener Teil der dritten mittelalterlichen Stadtbefestigung von Namur.

Danach kommt altstadtmäßig nicht mehr viel. Ich bin deshalb wieder zum Belfried zurückgegangen und durch die kleinen Gassen weitergelaufen.

Belgien Wallonie Namur Sehenswürdigkeiten Tour Marie Spilar
Der Tour Marie-Spilar aus dem 14. Jahrhundert gehört zu den gut erhaltenen Überresten der mittelalterlichen Stadtmauer von Namur.
Belgien Wallonie Namur Sehenswürdigkeiten Place de l'Ange
Die Pompe de l’Ange aus dem Jahr 1791 schmückt die Place de l’Ange und krönt den Platz mit einer vergoldeten Engelfigur.

So kam ich schließlich zum Place de l’Ange mit der gleichnamigen Pumpe. Schräg gegenüber liegt ein kleiner Gemüsemarktplatz. Dahinter erstrecken sich weitere verwinkelte Straßenzüge der Altstadt. Hier könnt ihr ganz entspannt durch Namur schlendern und euch treiben lassen. Ehe ihr euch verseht, steht ihr wieder an der Kathedrale St. Aubain.

Die Flüsse von Namur: Grognon und Confluence

Der Landzunge Grognon ist das historische Herzstück von Namur. Hier treffen Sambre und Maas aufeinander. Die Landspitze liegt direkt unterhalb der Zitadelle war früher ein dicht bebautes Stadtviertel. Das Gebiet wurde komplett umgestaltet und modernisiert. Heute heißt das Areal offiziell La Confluence und bietet eine großzügige Uferpromenade mit Blick auf die beiden Flüsse und die Zitadelle.

Moderne Landzunge Grognon in Namur mit dem Pavillon-Gebäude Le NID am Zusammenfluss von Sambre und Maas
Die historische Landzunge Le Grognon neu interpretiert: Das moderne Besucherzentrum Le NID am Zusammenfluss von Sambre und Maas.

Zitadelle von Namur

Einen tollen Blick auf die Zitadelle von Namur habt ihr vom Quai des Joghiers, der am Fluss Sambre entlangführt. Die Zitadelle liegt auf einem Hügel am Zusammenfluss von Sambre und Maas und gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Belgien Wallonie Namur Sehenswürdigkeiten Zitadelle
Mächtig thront die Zitadelle über Namur: Auf den Festungsanlagen ist die vergoldete Schildkröten-Skulptur „Searching for Utopia“ zu sehen.

Wer die Zitadelle besichtigen möchte, kann hinauflaufen oder die Seilbahn von der Innenstadt aus nehmen. Oben angekommen, könnt ihr das weitläufige Gelände auf eigene Faust erkunden, das Besucherzentrum Terra Nova besuchen oder mit dem Touristenzug die Festungsanlage und ihre Geschichte entdecken. Auch Führungen durch die unterirdischen Gänge werden angeboten.

Die Anlage ist ziemlich groß und bietet neben viel Geschichte auch schöne Ausblicke über Namur und das Maas- und Sambretal. Wenn ihr mehr Zeit habt, könnt ihr hier also problemlos mehrere Stunden verbringen.

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Namur auf eigene Faust erkunden

Namur lässt sich gut auf eigene Faust erkunden. Ich bin einfach losgelaufen und habe die Altstadt zu Fuß entdeckt. Wenn ihr euch lieber an einer festen Route orientiert, gibt es dafür ebenfalls verschiedene Möglichkeiten.

Die Tourist-Information bietet einen offiziellen Entdeckungsrundgang durch das Stadtzentrum an. Dabei geht es vor allem um das architektonische Erbe und die schönsten Bereiche der Innenstadt. Den Rundgang könnt ihr als klassische Route nutzen oder euch über die kostenlose Audioversion bei izi.TRAVEL begleiten lassen.

Eine weitere Möglichkeit ist die App Jooks. Sie bietet eigene touristische Laufrouten durch Namur, die euch per GPS und Audiokommentaren durch die Stadt führen. Die Strecken beschäftigen sich unter anderem mit der Altstadt, der Zitadelle, der Folklore und der Street Art.

Wer lieber mit einem Guide unterwegs ist, kann außerdem an einem der geführten Stadtrundgänge teilnehmen. Je nach Termin und Angebot stehen dabei unterschiedliche Themen im Mittelpunkt, unter anderem Geschichte, Art Déco oder Street Art.

Da mir das Wetter einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht hatte und ich erst am Nachmittag losgehen konnte, war die Möglichkeit, Namur auf eigene Faust und in meinem eigenen Tempo zu erkunden, für mich genau richtig.

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Meine Unterkunft in Namur

Wie man an den Bildern unschwer erkennen kann, war das Wetter bei meiner Städtereise nach Namur nicht gerade auf meiner Seite. Dafür hatte ich eine tolle Unterkunft!

Ich habe im BED Namur ASBL übernachtet. Das Doppelzimmer mit kleiner Küche liegt mitten in der Altstadt und war für meinen Aufenthalt perfekt gelegen.

Das Bett war bequem, das Zimmer hübsch eingerichtet. Föhn, Kühlschrank, Kaffeemaschine und WLAN waren ebenfalls vorhanden. Was will man mehr?

Klein, aber fein – und vor allem mitten im Geschehen. Wer Namur zu Fuß erkunden möchte, hat von hier aus kurze Wege zu den Sehenswürdigkeiten der Altstadt.

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Lohnt sich Namur?

Namur hat einen ganz klaren Vorteil: Die Stadt ist überschaubar und lässt sich gut zu Fuß erkunden. In der Altstadt gibt es wirklich schöne Ecken und für einen Tag ist hier genug zu entdecken. Wenn ihr zusätzlich die Zitadelle ausführlich besichtigen möchtet, solltet ihr dafür allerdings mehrere Stunden einplanen.

Wenn ihr allerdings auf der Suche nach möglichst vielen großen Sehenswürdigkeiten und Highlights seid, werdet ihr in anderen belgischen Städten wahrscheinlich glücklicher. Namur ist keine Stadt, die euch von einer Attraktion zur nächsten hetzt. Gerade das macht für mich aber ihren Reiz aus.

Leider hatte ich bei meinem Besuch kein Glück mit dem Wetter, wie ihr unschwer auf den Bildern erkennen könnt. Missen möchte ich den Besuch trotzdem nicht. Namur vermittelt einen schönen Einblick in das weniger touristische Belgien und ist für mich deshalb durchaus einen Abstecher wert.

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Klein, aber fein. Namur ist eine tolle Stadt.
Habt ihr Tipps zur wallonischen Hauptstadt und ihren Sehenswürdigkeiten?

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