Die Strecke von Kaunas nach Klaipėda gehört für mich zu den schönsten Roadtrips in Litauen. Statt die schnelle Verbindung über die Autobahn zu nehmen, haben wir uns für die Burgenstraße (Panemunės kelias) auf der Landstraße 141 entschieden. Die Route führt entlang der Memel vorbei an historischen Schlössern, alten Burgen und kleinen Orten, die man auf der direkten Strecke verpassen würde.
In diesem Artikel zeige ich euch, welche Stopps sich auf der Strecke wirklich lohnen, welche Schlösser wir besucht haben und ob sich der Umweg über die Burgenstraße bis Klaipėda aus meiner Sicht lohnt.
Wie lang ist die Burgenstraße in Litauen eigentlich?
Wie lang die Burgenstraße in Litauen genau ist, lässt sich gar nicht so eindeutig beantworten. Eine offizielle Abgrenzung, wie es sie beispielsweise bei der deutschen Burgenstraße gibt, existiert nicht.
Viele meinen mit der Burgenstraße den besonders schönen Abschnitt der Nationalstraße 141 entlang der Memel zwischen Kaunas und Schloss Panemunė. Hier reihen sich Burgen, Herrenhäuser, Aussichtspunkte und kleine historische Orte dicht aneinander. Für mich ist genau dieser Teil das Herzstück der Route.
Drei Tourenvorschläge entlang der Burgenstraße
Wer von Kaunas nach Klaipėda unterwegs ist, kann die Route ganz unterschiedlich gestalten. Je nachdem, wie viel Zeit ihr habt und ob ihr vor allem die Schlösser sehen oder den kompletten Roadtrip bis zur Ostsee erleben möchtet, bieten sich drei Varianten an.
Die klassische Schlösser-Tour: Von Raudondvaris bis Schloss Panemunė (ca. 60 km)
Die schönste und abwechslungsreichste Variante führt über etwa 60 Kilometer von Raudondvaris bis zum Schloss Panemunė. Auf dieser Strecke folgt ihr fast durchgehend dem Lauf der Memel und erlebt die Highlights der Burgenstraße.
Unterwegs warten einige der schönsten Schlösser und Herrenhäuser Litauens: Schloss Raudondvaris, Schloss Raudonė und Schloss Panemunė. Dazu kommen Aussichtspunkte wie der historische Hügel von Veliuona, von dem ihr einen tollen Blick über die Landschaft entlang der Memel habt.
Wenn ihr nur einen Teil der Route fahren möchtet, würde ich genau diesen Abschnitt wählen. Hier bekommt ihr auf relativ kurzer Strecke die größte Dichte an Sehenswürdigkeiten geboten.
Die verlängerte Tour bis Jurbarkas (ca. 85 km)
Wer nach Schloss Panemunė noch Zeit hat, kann die Route um etwa 25 Kilometer bis nach Jurbarkas verlängern.
Auch wenn die großen Schlösser und Burgen hinter euch liegen, lohnt sich der zusätzliche Stopp. Der Jurbarkas-Park lädt zu einem Spaziergang ein und mit dem klassizistischen Herrenhaus der russischen Fürstenfamilie Wassiltschikow wartet noch einmal ein schönes historisches Ziel entlang der Strecke.
Diese Variante eignet sich besonders gut, wenn ihr nicht nur die bekanntesten Schlösser sehen möchtet, sondern auch etwas mehr von der Landschaft und den kleineren Orten entlang der Memel entdecken wollt.
Die komplette Route von Kaunas bis Klaipėda (ca. 230 km)
Wer auf dem Weg zur Kurischen Nehrung oder an die Ostsee unterwegs ist, kann die gesamte Strecke von Kaunas bis Klaipėda fahren. Die Nationalstraße 141 ist insgesamt rund 230 Kilometer lang und verbindet die Region Kaunas mit der Küste.
Nach den hügeligen Landschaften entlang der Memel verändert sich die Umgebung immer mehr. Statt Burgen und Herrenhäusern stehen nun die weiten Landschaften Kleinlitauens, Naturgebiete und das Memeldelta im Mittelpunkt.
Auf diesem Abschnitt warten weitere interessante Stopps wie der Kultberg Rambynas oder das Memeldelta. Ein besonderer Tipp für Architektur- und Geschichtsfans ist außerdem Juknaičiai, ein Ort, der während der Sowjetzeit als Vorzeige-Kolchose geplant wurde und heute einen ungewöhnlichen Einblick in diese Epoche bietet.
Wenn ihr die komplette Strecke bis Klaipėda fahren möchtet, solltet ihr euch Zeit lassen. Die Route lebt nicht von der schnellen Ankunft, sondern von den vielen kleinen Stopps unterwegs.
Schöne Schlösser entlang der Burgenstraße von Kaunas nach Klaipėda
Egal, für welche Variante ihr euch entscheidet: Die eigentlichen Highlights der Route sind für mich die historischen Schlösser und Herrenhäuser im ersten Tourenabschnitt entlang der Memel.
Während meiner Fahrt habe ich mir diese drei Schlösser genauer angesehen.
Schloss Raudondvaris
Neun Kilometer westlich von Kaunas, Richtung Jurbarkas, liegt der kleine Ort Raudonvaris und hier wartet schon das erste Highlight: Schloss Raudonvaris.

Beim Anblick von Turm und Schießscharten könnte man jetzt die wildesten Rittergeschichten vermuten und liegt komplett falsch.
Das Schloss ist keine Burg, sondern ein Herrenhaus und wurde aus rein repräsentativem Motiv um 1615 fertiggestellt und nach einem Brand, während der Aufstände im Jahr 1831, wieder restauriert.
Ja, warum sich nicht mal einen Palast mit zwei Dienstgebäuden, Orangerie und Gestüt bauen? Finde ich nicht schlecht und schön sieht es auch aus. Dazu kommt noch der 3,8 Hektar große Park, der zu einem Spaziergang einlädt.
Wir haben kurz überlegt, noch eine Runde durch die Parkanlage zu drehen, haben uns dann aber dagegen entschieden. Am Abend wollten wir auf der Kurischen Nehrung ankommen und auf dem Weg dorthin warteten noch weitere Stopps, die wir nicht auslassen wollten.


Heute werden auf dem Anwesen, auch „Rotes Herrenhaus“ genannt, allerlei Veranstaltungen wie z.B. Musikfeste, Mittelalterspektakel oder Theateraufführungen geboten.
Schloss Raudonė
25 Kilometer weiter westlich liegt das Renaissanceschloss Raudonė.
Dieses Schloss wurde Ende des 16. Jahrhunderts von einem Ostpreußen, der mit Holzhandel reich geworden war, zum reinen Vergnügen auf den Resten einer alten litauischen Burg gebaut.
Raudonė liegt mitten im Panemuniai-Regionalpark. Der 33 Meter hohe Turm ist sicherlich einer der spannendsten Gründe für einen Stopp bei Schloss Raudonė. Wenn er geöffnet ist, bietet sich von oben vermutlich ein beeindruckender Blick über die Landschaft entlang der Memel. Leider war der Turm bei unserem Besuch nicht zugänglich, sodass wir mit dem Blick von unten vorliebnehmen mussten.

Einfach zu fotografieren ist das Schloss nicht. Die schönen alten Bäume der Parkanlage stehen im Weg, aber ohne sie wäre es auch nur halb so schön.
Schloss Panemunė

Dieses Schloss wurde Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut und liegt malerisch auf einem Hügel inmitten von einer tollen Park- und Teichlandschaft.
Richtig auffällig ist der große, grau-blaue Turm, den man von weitem immer wieder durch die dichten Bäume sehen kann.
Hier haben wir uns die Zeit genommen und eine Runde durch den Schlosspark gedreht. Einmal um uns nach der Fahrt mal ein wenig die Beine zu vertreten, zum anderen um, zu sehen, ob wir noch einen besseren Blick auf das Schloss bekommen. Leider war das nicht der Fall. Den besten Blick auf Schloss Panemunė habt ihr, meiner Meinung nach, vom kleinen Parkplatz hinter dem Turm.
Ihr könnt Schloss Panemunė und das Museum besichtigen oder im Restaurant im Schlosshofes eine Pause einlegen.
Von Kaunas nach Klaipeda auf der Burgenstrasse – unsere Route, meine Meinung
Nun mal Butter bei die Fische: Lohnt sich der Umweg über die Burgenstraße wirklich und wie weit sind wir eigentlich gefahren?
Kurz gesagt: Ja – zumindest der Abschnitt bis Schloss Panemunė.
Wir sind morgens in Vilnius gestartet und wollten am späten Nachmittag auf der Kurischen Nehrung ankommen. Der Abschnitt von Raudondvaris bis Schloss Panemunė war für uns dabei das Highlight der Strecke. Wenig Verkehr, schnurgerade Straßen, immer wieder tolle Ausblicke auf die Memel, abwechslungsreiche Landschaften und die vielen kleinen Stopps machen diesen Teil der Route zu einer richtig schönen Tagestour.

Den restlichen Weg bis Klaipėda würde ich persönlich allerdings nicht noch einmal über die Burgenstraße fahren.
Nach Schloss Panemunė verliert die Strecke für mich etwas an Reiz. Man fährt irgendwann nicht mehr direkt an der Memel entlang, und auch der Zustand der Straße war bei unserer Fahrt nicht besonders gut. Besonders auf Juknaičiai war ich gespannt, denn der Ort galt zu Sowjetzeiten als Vorzeige-Kolchose und ich wollte mir dieses Stück Geschichte unbedingt ansehen. Heute ist Juknaičiai zwar ein gepflegter, größerer Ort mit vielen mehrstöckigen Wohnhäusern und großzügigen Grünflächen – ein absolutes Highlight der Route war es für mich aber nicht.
Wenn ich die Strecke noch einmal fahren würde, würde ich deshalb nach Schloss Panemunė auf die E77/A12 Richtung Norden abbiegen und den restlichen Weg bis Klaipėda über die schnellere Strecke zurücklegen.
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Sehr anschaulich, leicht und locker geschrieben. Hat Spass gemacht den Artikel zu lesen und ausserdem ist meine Reiselust geweckt worden, obwohl mir das z.Zt nicht viel nützt.
Aber nach Corona steht dieser Landstrich auf jeden Fall auf meiner Liste. Danke für die guten Tipps!
Lieben Dank für das Kompliment!
Ich kann es auch kaum erwarten, wieder die Koffer zu packen.
Ich würde mich freuen, wenn Du mir dann berichtest, wie Dir Litauen gefallen hat.