Nationalpark
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Nationalpark Aukstaitija

Nach drei Tagen im lettischen Nationalpark Gauja geht es für mich drei Tage in den Nationalpark Aukstaitija in Litauen. Er ist der älteste und zweitgrößte Nationalpark in Litauen und mein vorletzter Stop auf dem Roadtrip durch Litauen und Lettland.

Nach fast zwei Wochen Rundreise und vielen Wanderungen, lasse ich den Besuch im Aukstaitija Nationalpark ruhiger angehen. Nur rumsitzen ist auch nicht mein Ding und so sind am Ende doch einige Ausflüge zusammengekommen.

Zarasaj

Die Fahrt von Sigulda in Lettland nach Ignalina in Litauen dauert gut vier Stunden.

Um nicht zu spät anzukommen, lasse ich den Halt im lettischen Daugavpils aus und lege erst einen Stop im litauischen Zarasai ein, mit dem Ziel ein paar Infos über den Nationalpark Aukstaitija abzugreifen. In der Touristeninformation war leider nicht viel zu holen, dafür war ein kurzer Spaziergang über die Aussichtsplattform drin.

Aussichtplattform in Zarasai Litauen

45 Autominuten später erreiche ich meine Unterkunft. Ich checke schnell ein und düse gleich wieder los. Es ist 16 Uhr – da bleibt genug Zeit für einen kleinen Ausflug.

Botanischer Pfad (Pėsčiųjų botanikos takas)

Gut sieben Kilometer von der Stadt Ignalina entfernt, am See Lusiai, liegt Paluse.
Ich parke direkt am See und habe das Gefühl fast allein zu sein. Dass niemand unterwegs ist mag daran liegen, dass es gerade ordentlich geregnet hat. Oder vielleicht sind die meisten Häuser einfach Ferienhäuser. Wer weiß…

Ich schaue mir auf jeden Fall den 3,5 Kilometer langen, botanischen Rundweg an.
Der beginnt knackig, mit einem steilen Weg auf den Hügel. Oben angekommen stehe ich im Wald. Der sandige Weg lässt sich gut gehen, die Vögel zwitschern und piepsen und der Geruch von Pilzen mischt sich dazwischen.

Pilze sammeln ist ein Kinderspiel. Der Wald steht voll.

Holzweg auf dem botaischen Pfad in Paluse.

Ein paar Meter weiter geht es langsam und sanft bergab und der Waldweg läuft in einen Holzsteg über. Der sieht lange nicht so neu und intakt aus, wie die gebauten Wanderwege in Sigulda Lettland. Ab und an fehlt eine Holzbohle oder der Holzsteg ist seitlich etwas in den See abgesackt.

Auch wenn man etwas aufpassen muss, wo man hintritt, ist der Weg, der zwischen kleinen Seen entlangführt, recht schön. So wirklich umhauen tut’s mich aber nicht.

Das letzte Stück vom Weg ist unromantisch. Ich laufe auf den Spuren, die ein Harvester in den Wald gepfercht hat, entlang. Durch den Regen ist der Waldboden etxrem matschig und ich bin nur noch damit beschäftigt, mit einigermaßen sauberen Schuhen zurück zum Parkplatz zu kommen. Ist aber nicht schlimm, denn hier sieht es gerade nicht wirklich schön aus.

Kurz vor dem Ende des Rundweges ändert sich alles: die graue Wolkendecke reißt auf und die Abendsonne kommt raus. Von null auf hundert sieht die ganze Umgebung und der Blick auf Paluse so kitschig – romantisch aus. Einfach unglaublich schön.

Sonnenuntergang in Paluse - Nationalpark Aukštaitija
Paluse im Sonnenuntergang

Imkereimuseum in Stripeikiai

Bevor ich am nächsten Tag wandern gehe, schaue ich beim Bienenmuseum vorbei. Dieses süße Freilichtmuseum liegt mitten im Wald in der Nähe von Stripeikiai. Für Imker und alle, die sich für Bienen und die Geschichte der Imkerei interessieren ist es die Top Adresse schlechthin.

Mein Interesse an Bienen und Imkern hält sich in Grenzen, daher finde ich es nicht schlimm, dass das Museum – wie fast alles – ab Ende der Sommersaison geschlossen ist.

Trotz Nebensaison kann man das Gelände erkunden, sich die vielen verschiedenen Bienenkörbe und Klotzbeute (ein ausgehöhlter Baumstamm als Bienenbehausung – wieder was gelernt) ansehen.

Imkereimuseum im Aukštaitija Nationalpark.
Klotzbeute vor dem Imkereimuseum im Aukstaitija Nationalpark.


Wem das zu wenig Informationen sind, der kann sich im Vorfeld anmelden und einen Termin für eine Privatführung vereinbaren.

Rundwanderweg P4 im Nationalpark Aukstaitija

Der Name der Wanderungen lässt einiges erahnen. An sich nix.
Ich habe beim besten Willen keine Ahnung, wie ich diese Wanderung nennen soll. Gefunden hatte ich die Beschreibung für den Weg in der winzig-kleinen Touristeninformation in Ignalina. Sie heißt halt einfach Rundwanderweg P4.

P4 beginnt und endet an der Wassermühle in Ginuciai. Sie wurde im neunzehnten Jahrhundert erbaut und ist heute Museum, Restaurant, Hotel und ein beliebtes Ausflugsziel.

Wassermühle Ginuciai im Aukštaitija Nationalpark.

Anfang Oktober ist das Museum – wie gefühlt alles im ländlichen Litauen – geschlossen, da bleibt nur der Blick von außen.

Vom Parkplatz aus, geht es Richtung Süden. Nach ein paar Metern verlässt man die Hauptstraße und wandert an einer kleinen Siedlung vorbei.

litauische Landromantik

Hier zu wohnen ist sicher richtig entspannend – keine Autos, wenige Nachbarn und viel Platz im Garten. Jedenfalls im Sommer und Herbst stelle ich es mir hier traumhaft schön vor. Den Winter ignorieren wir mal.

eine Luchs Fährte



Kurze Zeit später biegt der Weg in einen Wald ab und verläuft parallel zum Asekas See. Auch hier: Ruhe, gute Luft, keine Menschen.

Wer genau hinschaut kann sogar Luchsfährten entdecken!

Nach einiger Zeit trifft man wieder auf Zivilisation: der Ort Salos I ist klein, aber sehr niedlich.

Von hier aus geht es nach Salos II, am Heimatmuseum vorbei. Ratet mal… ja, es ist geschlossen.

Weiter geht’s über Feld – und Waldwege zu einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke. Hier, wo der Asekas- und Linkmenas See zusammen treffen ist für mich Zeit für eine Pause.

lituaische Architektur in Salos 1
Brücke zwischen Asekas- und Linkmenas See im Nationalpark Aukštaitija.

Im Gegensatz zum bisherigen Weg, auf dem ich selten einen Menschen gesehen hatte, ist es hier fast schon trubelig. Zur Aussichtsplattform Ladakalnis – ein 176 m hoher Hügel ist es nicht mehr weit.

Der Weg rauf ist steil, aber lohnt sich auf jeden Fall. Von hier oben hat man eine fantastische Panoramaaussicht auf die umliegende Landschaft und ihre sechs Seen.

Aussicht vom Ladakalnis im Aukštaitija Nationalpark.

Der nächste Halt, der Ginučiai – Papiliakalnė Burghügel, liegt einen Kilometer weiter nördlich. Hier soll einst das Schloss Linkmenų gestanden haben. Ob es dieses Schloss wirklich jemals gab ist nicht klar.
Nach 1,7 Kilometern erreicht man die Wassermühle.

Der Rundweg ist wirklich schön, lässt sich super gehen und bis auf die beiden Hügel am Schluss ist er nicht übermäßig anstrengend.

Ignalina Nuclear Power Plant

Vom Ignalina Nuclear Power Plant – einem stillgelegten Kernkraftwerk in der Nähe von Ignalina -lese ich erst am zweiten Abend im Nationalpark Aukstaitija etwas und ärgere mich ein wenig, dass ich auf der Fahrt von Zarasai keinen Schlenker gemacht habe, um es mir anzusehen.

Ich kann Deinen skeptischen Blick förmlich fühlen: Warum bitte, ist jemand geknickt, weil er ein stillgelegtes Kernkraftwerk verpasst hat? Was stimmt nicht mit ihr?

Kennt ihr die HBO Serie Chernobyl?

Der Reaktor des Ignalina Nuclear Power Plant ist vom gleichen Typ wie der des Kernkraftwerkes in Tschernobyl und diente als Drehort für die fünfteilige Serie. Die Serie war vor allem im englischsprachigen Raum ein riesen Hit und sorgte für einen waren Filmtourismus.

Man kann das Kernkraftwerk nach vorheriger Anmeldung besichtigen. Für mich kam die Info leider zu spät, aber vielleicht wollt ihr vorbeischauen, falls ihr mal in der Nähe seid.

Alle Infos dazu unter www.iae.lt

Der Ignalina Aussichtsturm (Vilkakalnio (Ignalina) Reviews Tower)

Der Ausflug auf den 25 Meter hohen Aussichtsturm musste sein. Er steht mitten in Ignalina und ist doch gut versteckt. Falls ihr ihn besuchen wollt und auf dem Weg dahin denkt, ihr seid falsch, seid ihr auf dem richtigen Weg. Einfach weiterfahren.

Nach der dritten Treppe können Höhenphobiker schon mal einpacken und zitternd den Rückweg antreten.

Der Aussichtsturm in Ignalina

Alle Stufen, Zwischenplattformen und die Panoramaplattform sind aus Rostgitter gefertigt – da bleibt der Blick in die Tiefe unweigerlich nicht aus.

Je höher man kommt, desto mehr merkt man, dass der Turm leicht schwankt.
Ich gehe einfach mal davon aus, dass der Turm stabil genug ist, erklimme die letzte Zwischenstation und erreiche die Aussichtsplattform. Hier oben ist es recht windig und der Turm schwankt noch mehr.

Blick vom Aussichtsturm in Ignalina

Wie auch immer – ich fand es launig. Hat was von Sightseeing, Aussicht und Nervenkitzel. Es war schön da oben und auch schön, wieder heil unten anzukommen.


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Warst Du schon im Aukstaitija Nationalpark? Oder hast Du den Nationalpark Kurische Nehrung besucht oder einen anderen litauischen Nationpark besucht?
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