Krakau ist eine dieser Städte, die sich perfekt zu Fuß entdecken lassen. Sie ist kompakt, geschichtsträchtig und gleichzeitig überraschend lebendig. Zwischen Altstadt, Wawel-Hügel und dem Szeneviertel Kazimierz liegen viele der wichtigsten Krakau Sehenswürdigkeiten nur wenige Gehminuten auseinander. Genau das macht die Stadt ideal für einen kurzen Städtetrip.
Ich nehme euch mit auf meinen Rundgang durch Krakau: vom Hauptmarkt über das Königsschloss bis zu Streetfood-Stops und Abstechern in die ehemaligen jüdischen Viertel. Dazu gibt’s praktische Reisetipps zur Anreise, Fortbewegung und Planung, damit ihr euren Besuch entspannt vorbereiten könnt, egal ob ihr nur einen Tag oder ein ganzes Wochenende Zeit habt.
Krakau in einem Tag – Mein Rundgang
Krakau scheint wahnsinnig beliebt zu sein, wenn es ums Thema Städtetrips geht. Ehrlich: So viele Leute hatte ich nicht erwartet. Das hat mich kurz an an den belgischen Tourimagnet Brügge erinnert.
Damit ihr an einem Tag trotzdem entspannt möglichst viel seht, nehme ich euch jetzt mit auf meinen Rundgang zu Fuß: von der Altstadt über den Hauptmarkt und den Wawel bis rüber nach Podgórze und zum Abschluss nach Kazimierz.
Stare Miasto – die Altstadt von Krakau
Mein Rundgang durch Krakau startet in der Altstadt (Stare Miasto). Wo einst die mittelalterlichen Stadtmauern standen, umrundet heute der Planty Park als grüner Ring das historische Zentrum.
Einige Überreste der ehemaligen Befestigung könnt ihr noch im nördlichen Teil, rund um das St.-Florians-Tor sehen. Von den früheren Stadttoren und Wehrtürmen sind dort noch mehrere Türme erhalten, darunter der Zimmereiturm, der Tischlereiturm und der Posamenterturm.

Direkt hinter dem St. Florians Tor steht die Barbakane. Das mächtige Verteidigungsbauwerk war früher mit der Stadtmauer verbunden und markierte den Beginn des Königswegs, der Route, die einst die Herrscher nutzten und die heute viele Besucher durch die Altstadt bis hinauf zum Wawel führt.
Floriańska – die Shoppingmeile
Vom Florianstor geht es direkt weiter über die Floriańska. Sie ist die bekannteste Einkaufs- und Flanierstraße der Krakauer Altstadt. Den Turm der Marienkirche (oder – je nach Blickrichtung – das Florianstor) habt ihr dabei fast die ganze Zeit im Blick.
Ob Geschäfte, kleine Museen oder Restaurants: In der Floriańska findet ihr fast alles auf kurzer Strecke. Bei meinem Besuch war die Straße tagsüber wie abends proppenvoll mit Touristen. Entsprechend lebhaft ist die Atmosphäre hier.


Hauptmarkt (Rynek Główny)
Der Hauptmarkt (Rynek Główny) wurde bereits im 13. Jahrhundert angelegt und ist bis heute das lebendige Zentrum der Krakauer Altstadt. Mit rund 40.000 m² zählt er zu den größten mittelalterlichen Marktplätzen Europas. Hier stehen unter anderem die berühmten Tuchhallen und die Marienkirche – von deren Turm zu jeder vollen Stunde das Trompetensignal „Hejnał“ in alle vier Himmelsrichtungen erklingt.

Das Hejnał hat in Polen Tradition und wurde früher unter anderem als Signal zur Öffnung und Schließung der Stadttore gespielt.
In Krakau endet das Trompetenstück jedoch abrupt. Der Legende nach wurde der Turmbläser im Jahr 1241 von einem Pfeil getroffen – genau an der Stelle bricht die Melodie bis heute ab.
Falls ihr dem „Hejnał“ in Krakau lauschen wollt, findet euch zu jeder vollen Stunde in der Nähe der Marienkirche ein. Trotz der plaudernden Menschenmengen ist das Trompetensignal gut zu hören. Auch in einigen anderen polnischen Städten, zum Beispiel in Posen, Łódź oder Lublin, wird ein Hejnał gespielt.

Aber zurück zum Hauptmarkt. In den Bürgerhäusern rund um den Hauptmarkt reihen sich Restaurants, Bars und Läden aneinander, in denen ihr euch mit Souvenirs eindecken könnt.
Eines der bekanntesten Restaurants direkt am Krakauer Hauptmarkt ist das Wierzynek. Es stammt aus dem 14. Jahrhundert und gilt als eines der ältesten Restaurants Polens.

Als letztes Highlight am Hauptmarkt solltet ihr euch einen Blick in die Tuchhallen nicht entgehen lassen. Seit dem Mittelalter wurde hier mit englischen und flämischen Tüchern gehandelt. Der Name hat sich bis heute gehalten.
Das heutige Gebäude wurde nach einem Brand im Jahr 1555 neu errichtet und später mehrfach um- und ausgebaut. Handel gibt es hier noch immer. Zwar weniger mit Tüchern als mit Souvenirs, aber sehenswert sind die Tuchhallen allemal.
Mein Tipp: Plant euren Besuch möglichst früh, bevor die kleinen Souvenirshops öffnen.
Zamek Królewski na Wawelu – Schloss Wawel
Ein Abstecher zum Schloss Wawel gehört bei einer Städtereise nach Krakau einfach dazu. Der weitläufige Schlosskomplex liegt im Süden der Altstadt und umfasst mehrere historische Gebäude.
Falls ihr etwas über das Schloss lernen wollt, dann habt ihr hier zahlreiche Museen wie die Prunksäle, die königlichen Gemächer oder die Schatzkammer zur Auswahl.

Ich habe das Schloss nur von außen besichtigt und mich dann auf die Suche nach dem Wawel-Drachen und seiner Höhle gemacht. Dafür bin ich unten am Weichselufer einmal rund um den Wawel-Hügel gelaufen. Der Legende nach lebte hier der schreckliche Drache, bevor er durch die List eines Schusterlehrlings sein jähes Ende fand. Als Erinnerung an die Drachensage steht kurz vor dem Eingang zur Drachenhöhle eine Drachenstatue.

Stare Podgórze
Weiter geht es für mich in den Stadtteil Podgórze. Über den Podgórzer Marktplatz (Rynek Podgórski) mit der Pfarrkirche St. Josef laufe ich durch die Straßen des Viertels.


Mein Ziel ist die ehemalige Emaillefabrik von Oskar Schindler. Falls euch seine Geschichte nicht bekannt ist: Er rettete vielen jüdischen Menschen das Leben, indem er sie als Arbeiter in seiner Fabrik beschäftigte. Heute ist das Gebäude ein Museum und zeigt die Dauerausstellung „Krakau – während der Besatzung 1939–1945“.

Neben dem Museum erinnern im Stadtteil noch weitere Orte an die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Adler-Apotheke am Bohaterów-Getta-Platz war damals rund um die Uhr geöffnet und ein wichtiger Kontaktpunkt: Hier wurden Medikamente und Proviant weitergegeben, Dokumente gefälscht und Verfolgte zeitweise versteckt. Heute befindet sich auch dort ein Museum, das sich über euren Besuch freut.
Kazimierz
Für meine letzte Station auf dem Stadtrundgang durch Krakau habe ich einen Besuch im Stadtteil Kazimierz eingeplant. Das ehemals vorwiegend jüdische Viertel gilt heute mit seinen Clubs, Bars und Szeneläden als einer der kreativsten und alternativsten Stadtteile.


Und ja, es hat was. Hier ein Mural, dort ein Hinterhof mit Foodtrucks. Und nicht zu vergessen der Plac Nowy: Dort ist sonntagmorgens Flohmarkt und rund um den Platz bekommt ihr die wohl besten Zapiekanki der Stadt.

Nowa Huta
In den rund 7 Kilometer östlich der Altstadt gelegenen Stadtteil Nowa Huta habe ich es bei meinem Krakau-Besuch leider nicht mehr geschafft. Angelegt als sozialistische Musterstadt mit breiten Straßen und großzügigen Wohnblocks gilt Nowa Huta heute als spannender Geheimtipp.
Die einzelnen Viertel wurden damals wie eigenständige Ministädte geplant – mit Wohnhäusern, Schulen, Kindergärten, Spielplätzen und Grünanlagen. Na ja. Dann eben beim nächsten Besuch.
Reisetipps zu Krakau
Vom Flughafen in die Innenstadt
Vom Flughafen in die Innenstadt von Krakau kommt ihr ganz entspannt mit dem Bus oder dem Zug.
Bus 300
Ich habe mich für den Bus entschieden. Einfach deshalb, weil er gerade an der Haltestelle stand, als ich aus dem Terminal kam. Wenn ihr ebenfalls mit dem Bus fahren wollt, findet ihr die Haltestelle rechts, sobald ihr das Gebäude verlasst. Geht bis zur ersten (oder letzten – je nachdem, wie man es sieht) Halteposition. Dort steht auch ein Ticketautomat, an dem ihr euer Busticket kaufen könnt. Der Automat bietet mehrere Sprachen an, ihr könnt euch also gut durch das Menü klicken.
Ein Busticket kostet 4 Złoty pro Person (etwa 1 Euro) und ist nach dem Entwerten rund 20 Minuten gültig. Falls ihr den Bus verpasst: keine Panik. Die Linie 300 fährt etwa alle 30 Minuten.
Schade ist nur, dass die Buslinie nicht direkt im Stadtzentrum hält. Bis zu meiner Unterkunft musste ich noch 20 Minuten gehen, aber Krakau ist auch außerhalb der Innenstadt sehr schön, von daher war’s halb so schlimm.
Zug SKA1
Alternativ könnt ihr mit dem Zug in die Innenstadt fahren. Der Bahnsteig liegt direkt gegenüber vom Flughafen. Tickets für den Zug SKA1 bekommt ihr am Automaten am Bahnsteig, im Zug oder am Ticketschalter. Die Fahrt bis zum Hauptbahnhof kostet 17 Złoty.
Taxi und Uber
Ja, es gibt Uber in Polen. Wenn ihr keine Lust auf öffentliche Verkehrsmittel habt, ist Uber meist günstiger als ein klassisches Taxi.
Falls ihr Uber nicht kennt: Im Grunde ist es wie ein normales Taxi, nur dass die Fahrer Privatpersonen sind und ihr die Fahrt über die kostenfreie UberApp buchen müsst. Ihr gebt dann Start und Zielpunkt ein, bekommt den Preis für die Fahrt angezeigt und wartet dann, bis ein Fahrer den Auftrag annimmt und euch abholt. Alles in allem eine recht unkomplizierte Sache.
Unterkunftstipp für Krakau
Bei meiner Städtereise nach Krakau habe ich ein Zimmer im N33 Premium Apartments Old Town Krakow gebucht. Die Apartments liegen auf halbem Weg zwischen dem Florianstor und dem Hauptmarkt. Zentraler geht es kaum.

Wer beim Gedanken an eine Unterkunft in der Haupteinkaufsstraße von Krakau Schlafschwierigkeiten auf sich zukommen sieht, den kann ich beruhigen. Ich habe im Zimmer nichts von draußen gehört. Und selbst dann nicht, als die Floriańska zum Abend eher Partymeile wurde.
Das kleine Apartment war modern ausgestattet, mit Kühlschrank, Wasserkocher, Föhn, TV und gutem Wlan. Insofern war auch alles bestens.
Typisch Essen in Krakau
arisch zu entdecken. In Krakau gibt es viele gute Restaurants und Bars, von polnischer Küche bis international, vom kleinen Budget bis etwas schicker.
Gleichzeitig spielt die Stadt auch beim Streetfood ganz oben mit. Deshalb kommen hier meine Tipps für typische Krakauer Snacks und Spezialitäten, die ihr probieren solltet.
Obwarzanek – die polnische Backspezialität
Spätestens am Krakauer Hauptmarkt fallen euch die kleinen blauen Stände auf. Sie sehen auf den ersten Blick nicht besonders einladend aus, aber was sich dort auf Bauchhöhe hinter der Glasscheibe stapelt, solltet ihr unbedingt probieren.

Die knubbeligen Kringel mit Salz, Sesam oder Mohn sind Obwarzanek. Sie sind eine Backspezialität aus Krakau, die es schon seit dem 15. Jahrhundert gibt. Typischer geht es wirklich nicht.
Geschmacklich hatte ich erst Bedenken, dass die Kringel einfach nur knochentrocken sind.
Weit gefehlt. Als Snack haben mich die Obwarzanek während meiner Krakau-Städtereise ständig begleitet. Wirklich sehr gut.
Falls ihr den blauen Ständen trotzdem nicht recht traut, schaut einfach in einer Bäckerei vorbei. Dort gibt es Obwarzanek meist ebenfalls – etwas teurer, aber genauso köstlich.
Streetfood
Zapiekanka ist für Polen das, was Bánh mì für Vietnam, Fish and Chips für Großbritannien oder der Döner für Deutschland ist. Kurz gesagt: Zapiekanka ist das Streetfood des Landes und fast überall zu bekommen.
Einer der beliebtesten Hotspots für Zapiekanka in Krakau ist das kreisrunde Backsteingebäude am Plac Nowy im Stadtteil Kazimierz. Dort bekommt ihr besonders üppig belegte Varianten.

Ein Geheimtipp ist das längst nicht mehr. Vor allem abends herrscht hier an fast jedem Stand reger Andrang – bei Besuchern wie Einheimischen (auch wenn bei meinem Abendbesuch deutlich mehr Touristen da waren).
Kulinarisch lässt sich Zapiekanka am ehesten mit einem überbackenen Baguette oder Croque aus Frankreich vergleichen. Ihr bekommt allerdings nur eine Brothälfte, meist belegt mit Käse und Pilzen. Weitere Zutaten sind je nach Stand wählbar.
Aber keine Sorge: Ich bin kein Pilzfan und war trotzdem fast überwältigt von der Belagauswahl an den einzelnen Ständen in Krakau. Die Verkäufer waren oft sehr entgegenkommend und haben meine Zapiekanka auf Wunsch auch ohne Pilze zubereitet.
Mein Tipp: Auf jeden Fall einmal probieren.
Bar Mleczny – günstige Restaurants im Kantinenflair
Einen Tipp habe ich noch für euch, wenn ihr in Krakau typisch und günstig essen wollt. Falls ihr meinen Blogartikel über Stettin gelesen habt, ahnt ihr vielleicht schon, was jetzt kommt: Geht einmal in eine Milchbar.
Milchbars (polnisch: Bar Mleczny) haben nichts mit Milchshakes oder Eiscreme zu tun. Es sind einfache Selbstbedienungsrestaurants im Kantinenstil, in denen ihr traditionelle polnische Gerichte zu kleinen Preisen bekommt.
Im Stadtzentrum von Krakau findet ihr zum Beispiel die Milkbar Tomasza sowie die Bar mleczny „Pod Temidą“. Beide haben gute Bewertungen und sind, im Gegensatz zu vielen klassischen Milchbars, bis etwa 18 bzw. 20 Uhr geöffnet. Prob
Ausflugstipp Salzmine „Wieliczka”
UNESCO-Weltkulturerbe, bis zu 327 Meter tief und voller kilometerlanger Gänge: Die Salzmine „Wieliczka“ ist ein echtes Wunderwerk unter der Erde. Auch wenn Besucher nur rund 2 % des gesamten Salzlabyrinths besichtigen können, lohnt sich der Ausflug definitiv.
Über die Jahrhunderte haben die Bergleute dort nicht nur Stollen und Kammern angelegt, sondern sie auch mit Skulpturen und Kapellen aus Salz gestaltet. Ab etwa 25 Euro pro Person könnt ihr die Mine besichtigen und mehr über Werkzeuge, Fördertechnik und Salztransport erfahren. Tickets für den Besuch könnt ihr auf der Website der Salzmine vorbestellen.
Wenn ihr ohne Auto unterwegs seid und keine geführte Tour gebucht habt, kommt ihr vom Krakauer Hauptbahnhof mit dem Zug zur Salzmine. Nehmt dafür den Zug vom Krakauer Hauptbahnhof Richtung Wieliczka (häufig als Linie SKA1 ausgeschildert) und steigt an der Station Wieliczka Rynek-Kopalnia aus. Von dort sind es noch etwa zehn Minuten zu Fuß bis zum Eingang. Eine einfache Fahrt kostet rund 1,50 Euro pro Person.
Lohnt sich Krakau für einen Städtetrip?
Kurz gesagt: ja. Krakau ist kompakt genug für einen kurzen Trip, aber vielseitig genug, dass es nicht langweilig wird. Altstadt, Wawel und Kazimierz liegen nah beieinander, vieles lässt sich gut zu Fuß erkunden, und auch kulinarisch hat die Stadt mehr zu bieten, als man zuerst denkt.
Trotz der vielen Besucher fühlt sich Krakau nicht wie ein reines Freilichtmuseum an, sondern lebendig und angenehm unaufgeregt. Wenn ihr Geschichte, schöne Stadtviertel und gutes Streetfood mögt, macht ihr mit Krakau ziemlich sicher nichts falsch.
Wart ihr schon in Krakau und habt noch eigene Tipps? Dann schreibt sie gern in die Kommentare.



